Online-Handel in Afrika: die Corona-Krise sorgt für Wachstum

Online-Handel in Afrika

Der Online-Handel in Afrika gilt als eine der Zukunftsbranchen schlechthin – und das schon seit Jahren. Bisher sind die realen Erfolge der Unternehmen aber meist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nun hat die Corona-Pandemie der Branche neuen Schwung verliehen.

Mal eben ein neues Smartphone kaufen oder ein T-Shirt einer bestimmten Marke? In vielen Gegenden auf dem afrikanischen Kontinent ist das gar nicht so einfach. Klar gibt es auch dort in großen Städten Einkaufszentren und Shoppingmeilen, teils sogar sehr luxuriöse. Der „Diamond Walk“ in Johannesburg zum Beispiel zählt dazu. Und auch in Kameruns größter Stadt Douala entsteht derzeit eine riesige neue Luxus-Mall. In ländlichen Gebieten aber ist das anders. Dort müssen die Menschen für größere Anschaffungen oft lange, beschwerliche Wege zurücklegen.

Seit Jahren schon gilt daher der Online-Handel in Afrika als eine der Zukunftsbranchen schlechthin. Anstatt der Läden sollen künftig die Waren zu den Menschen kommen, so die simple Idee. Bisher ist diese in der Praxis aber oft schwer umzusetzen. Selbst in Südafrika zum Beispiel gaben Käufer zuletzt gerade einmal 109 Dollar pro Jahr im Schnitt online aus. Das entspricht laut einer Studie der Unternehmensberatung Kepios nur einem Viertel des globalen Durchschnitts.

Nun gibt es für die Branche neue Hoffnung: Die Corona-Pandemie hat dem Online-Handel in Afrika einen kräftigen Schub verliehen. Weil auch dort das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, haben viele stationäre Läden erstmals versucht, ihre Ware online zu verkaufen. Und auch zahlreiche neue Kunden tasten sich an das Geschäft heran, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Online-Handel in Afrika: Hohe Erwartungen von Investoren

Entstanden ist der Online-Handel in Afrika schon vor fast zwanzig Jahren. Damals ging in Südafrika das Unternehmen Takealot an den Start – ein echter Vorreiter auf dem Kontinent. Ein größerer Boom folgte dann eine ganze Zeit später im Jahr 2012. Damals entstanden in Nigeria gleich zwei neue Online-Händler: Jumia und Konga. Die beiden Firmen haben sich in den vergangenen Jahren ein ziemliches Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert und zählen inzwischen zu den bekanntesten Händlern auf dem Kontinent. Daneben mischt auch Kenia mit. Dort entstand 2014 der Online-Händler Kilimall – übrigens gegründet von einem früheren Huawei-Mitarbeiter.

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Zu den bekannten Online-Händlern auf dem Kontinent zählt auch das Unternehmen Mall for Africa – das seit 2018 mit DHL kooperiert.

Vor allem zwei Entwicklungen haben der Branche in den vergangenen Jahren Auftrieb verliehen. Die Mittelschicht in vielen afrikanischen Ländern wächst. Und vielerorts verbessert sich der Internetzugang. Zum Beispiel arbeitet der südafrikanische Telekommunikationskonzern MTN derzeit gemeinsam mit Facebook an einem neuen Internet-Seekabel rund um den Kontinent.

„Da bis 2025 vermutlich jeder Zweite auf dem Kontinent angebunden sein wird, könnte Online-Shopping dann zehn Prozent der Einzelhandelsumsätze vor Ort ausmachen“, prophezeite die Unternehmensberatung McKinsey schon im Jahr 2013. Gerade das Unternehmen Jumia hat von dieser Erwartung profitiert. Das Start-up wurde an den internationalen Börsen lange zum „Amazon Afrikas“ stilisiert und gehypt – bis es Anfang 2019 in die Krise rutschte. Die Gründe dafür habe ich bereits beschrieben.

E-Commerce in Afrika: Noch gibt es Hürden

Überhaupt war bei Branchenbeobachtern und Investoren zuletzt eine gewisse Ernüchterung eingetreten – so der Stand vor der Corona-Krise. Der Hype um den Online-Handel in Afrika ebbte ab. Für Start-ups in dem Bereich war es schwierig, an ausreichend Wachstumskapital zu kommen, wie das Portal Weetracker berichtet. Denn anders als noch vor zehn Jahren von vielen erwartet, ließ der große Durchbruch des Geschäfts dann doch auf sich warten.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Online-Händler auf dem Kontinent kämpfen zum Beispiel damit, dass es – anders als in der EU – schwierig ist, Waren zwischen afrikanischen Ländern zu verschicken. Oft müssen Händler nämlich an den Grenzen hohe Zölle zahlen und auch die Grenzabfertigung an sich kann nervenaufreibend sein. Viele Händler hoffen daher nun auf das afrikanische Freihandelsabkommen, das bald in Kraft treten soll.


Freihandel in Afrika

Warum das afrikanische Freihandelsabkommen so wichtig ist, habe ich hier auf meinem Blog erklärt.


Ein weiteres Problem der Händler: In vielen afrikanischen Kommunen gibt es nicht überall Straßennamen und Hausnummern. Das macht die Zustellung von Paketen für Fahrer logischerweise ein wenig knifflig. Und weil so ab und zu auch mal ein Paket verloren geht, haben viele Kunden nicht unbedingt das größte Vertrauen in den Online-Handel. Am liebsten zahlen sie bar und erst dann, wenn sie die Ware in den Händen halten. Das hat mir Juliet Anammah erzählt, die damalige Nigeria-Chefin von Jumia, als ich 2018 in Lagos auf Recherchereise war.

Online-Handel in Kenia
Ein Straßenmarkt in Kenia: Dort die richtige Adresse zu finden, ist für Lieferanten nicht einfach. (Foto: KS)

Corona-Krise befeuert Online-Handel in Afrika

Solche Hürden zu überwinden, ist für die Unternehmen vor Ort seit Jahren ein teurer Kraftakt. Nun aber hat die Pandemie dem Online-Handel in Afrika zu neuem Schwung verholfen. Der E-Commerce habe „die regionale Widerstandsfähigkeit gegen die Gesundheitspandemie gestärkt“, schreibt zum Beispiel Elsie S. Kanza, Regionaldirektorin für Afrika beim Weltwirtschaftsforum.

Mit anderen Worten: Genau wie in Deutschland blieben vielerorts in Afrika zeitweise stationäre Geschäfte geschlossen, sodass die Menschen nur online einkaufen konnten. Auch jetzt noch versuchen manche, auf diese Weise ihr Ansteckungsrisiko im Alltag zu senken. Zahlen des Marktforschungsunternehmen Nielsen zeigen, dass in Nigeria und Kenia 30 Prozent der Online-Käufer häufiger im Netz bestellen als sonst. Online-Händler wie Jumia oder der Modeshop Afrikrea haben laut der Deutschen Welle gute Zahlen gemeldet.

Online-Handel in Afrika: Wie nachhaltig ist der aktuelle Aufschwung?

Die neue Nachfrage lockt dabei auch neue Wettbewerber an. Das nigerianische Unternehmen Farmcrowdy zum Beispiel ist eine digitale Plattform, die Kleinbauern Zugang zu Krediten und Versicherungen vermittelt – zumindest normalerweise. Im Frühjahr aber hat das Unternehmen eine App vorgestellt, über die Kunden frische Lebensmittel direkt vom Bauernhof ordern können. Das Start-up Flutterwave, das eigentlich auf digitale Bezahllösungen spezialisiert ist, bietet Händlern nun zusätzlich ein Baukasten-System für neue Online-Shops an. Und in Namibia verkauft Medienberichten zufolge sogar die Nationale Kunstgalerie ihre Werke nun im Netz.

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In Deutschland gilt der Lebensmittel-Online-Handel als große Herausforderung. Das Unternehmen Farmcrowdy in Nigeria schreckt das nicht ab.

Wie nachhaltig der Erfolg der Branche ist, bleibt abzuwarten. Sacha Poignonnec, einer der Gründer von Jumia, gibt sich optimistisch. Die Krise könnte dazu führen, dass Kunden künftig weniger Hemmungen haben, was das Bezahlen im Netz angeht, sagt er. „Damit wird eines der Hindernisse für den elektronischen Handel in Afrika angegangen.“ Und auch andere Beobachter ziehen diesen Schluss.

Allerdings, ein Blick in die Vergangenheit der Branche zeigt auch: Schnelle Fortschritte beim Online-Handel in Afrika wurde schon oft beschworen. In der Praxis aber brauchte der digitale Wandel dann doch meist deutlich länger als versprochen und erhofft. So könnte es also auch dieses Mal sein.


Jumia in der Krise: Das einstige Vorzeigeunternehmen steckt in der Krise.

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