Afrikrea: Wie ein Start-up afrikanische Mode global bekannt machen will

Afrikrea Mode Afrika

Das Unternehmen Afrikrea betreibt einen Online-Marktplatz für Mode aus Afrika und gilt als eines der erfolgreichsten E-Commerce-Start-ups des Kontinents. Das Unternehmen profitiert vor allem von zwei aktuellen Megatrends.

Eigene Trends, eigene Fashion-Weeks, internationale Presse: Afrikanische Mode findet derzeit weltweit viel Beachtung. Über die Gründe habe ich vor Kurzem berichtet. Bei der Recherche bin ich damals auf ein Unternehmen aufmerksam geworden, das ich besonders spannend fand und mir nun genauer angeschaut habe: das Start-up Afrikrea aus der Elfenbeinküste.

Afrikrea betreibt eine Online-Plattform für afrikanische Mode, Schmuck und Wohnaccessoires. Afrikanische DesignerInnen und KunsthandwerkerInnen bieten dort also selbst gestalteten Produkte an. Zum Beispiel Kleider, Ohrringe, Kissen oder Regenschirme. Seit der Gründung im Jahr 2016 ist das Start-up schnell gewachsen und liefert inzwischen Waren in über 100 Länder – auch nach Deutschland. In internationalen Medien wird Afrikrea daher oft mit dem amerikanischen Online-Marktplatz Etsy verglichen, einem E-Commerce-Schwergewicht, das derzeit an der Börse 15 Milliarden US-Dollar wert ist.

Afrikrea: Die Idee kam im Studium

Gegründet wurde Afrikrea von Moulaye Tabouré aus Mali, einem Nachbarstaat der Elfenbeinküste. Wie Tabouré im unten stehenden Video erzählt, hat er in Paris studiert und kam dort auf seine Gründungsidee. “Immer wieder wurde ich gefragt: Wo hast du dieses Armband her? Wo hast du diesen Stoff her?”, sagt er. “Dadurch habe ich verstanden, dass ich nicht der Einzige bin, der afrikanische Mode liebt.” Eine Plattform, auf der man weltweit afrikanische Designprodukte kaufen kann, gab es damals aber noch nicht.

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Nach seinem BWL-Studium arbeitete Tabouré für internationale Konzerne: für den französischen Telekommunikationsanbieter Orange, für den Softwarekonzern IBM und für die Wirtschaftsprüfung PwC. Doch die Frage, wie man afrikanische Produkte besser vermarkten könnte, ließ ihn offenbar nicht los. Im Jahr 2013 begann er gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Kadry Diallo die ersten Pläne für Afrikrea zu entwickeln. Später holte das Team Luc Diallo als weiteren Mitgründer und Technologiechef dazu (siehe Titelfoto).

Afrikanische Mode: Der Markt scheint gigantisch

Dass Afrikrea seitdem schnell gewachsen ist, ist vor allem zwei Megatrends geschuldet. Beim ersten großen Trend handelt es sich um den wachsenden Erfolg afrikanischer Mode. Afrikanische Designermode wird nicht nur im Ausland immer beliebter. Die Nachfrage danach wächst auch auf dem afrikanischen Kontinent. Das Marktforschungsunternehmen Euromonitor International hat im Jahr 2015 vorhergesagt, dass mit Kleidung und Schuhen in Subsahara-Afrika langfristig bis zu 31 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden könnten.

Der zweite große Trend, von dem Afrikrea profitiert, ist der Aufschwung des Online-Handels auf dem Kontinent. Vielerorts in Afrika verbessert sich der Internetzugang. Außerdem gibt es immer mehr Möglichkeiten, Waren digital zu bezahlen. Das bietet für den E-Commerce vor Ort ganz neue Chancen. Anfang 2018 hat Afrikrea eigenen Angaben zufolge circa 160 000 Euro pro Monat umgesetzt. Die Coronakrise hat dem Geschäft nun zusätzlich Schwung verliehen, berichtet die Deutsche Welle.

Afrikrea will sein Geschäft ausbauen

Dieser Erfolg bleibt von internationalen Investoren nicht unbemerkt. Nach Angaben des Portals Crunchbase hat das Start-up bisher insgesamt gut zwei Millionen US-Dollar von Investoren bekommen. Erst im Frühjahr hat es neues Geld eingesammelt. Mit dem Geld will es nun weiter wachsen, also mehr Werbung machen und mehr Entwickler einstellen. Derzeit sind auf dem Afrikrea-Teamfoto 18 MitarbeiterInnen abgebildet.

Für das Start-up gilt es allerdings auch, Herausforderungen zu bewältigen. Unter anderem scheint es teilweise schwierig zu sein, in Afrika passende DesignerInnen und HändlerInnen für die Plattform zu finden. Viele Händler stehen neuen Plattform-Geschäftsmodellen nämlich generell eher skeptisch gegenüber, schreibt das Start-up in einer Analyse. Und: Weil es manchen Händlern an Fachkräften und an einer zuverlässigen Stromversorgung fehlt, können sie ihre Produkte nur in vergleichsweise kleinen Stückzahlen herstellen.

Mehr lesen?

  • Wegen der oben genannten Probleme produzieren nicht alle Anbieter bei Afrikrea in Afrika.
  • Mehr über sein Geschäftsmodell erzählt Afrikrea-Gründer Moulaye Tabouré in diesem Interview.
  • Afrikrea ist nicht allein: Auch Portale wie Kisua oder The Folklore setzen auf afrikanische Mode, berichtet die Vogue.
  • Das African Business Magazine erklärt in einer Branchenanalyse, wie der Onlinehandel in Afrika die Modeindustrie beflügelt.

Warum der Onlinehandel auf dem Kontinent boomt und welche Hürden dabei bleiben, habe ich hier aufgeschrieben.

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