Logistik in Südafrika: Warum das Land als Afrikas Drehscheibe gilt

Logistik in Südafrika

Die Logistik in Südafrika ist besser ausgebaut als in jedem anderen Land auf dem Kontinent. Damit hat Südafrika ein zentrales Alleinstellungsmerkmal – doch andere Länder ziehen kräftig nach. Als Aufsteiger gelten vor allem Marokko und die Elfenbeinküste.

Waren von A nach B bringen? Das ist in vielen Teilen Afrikas schwierig und teuer. Im ländlichen Raum sind die Straßen oft nicht so gut und die Kontrollen an den Grenzübergängen dauern teilweise Stunden. Mein Mann und ich sind einmal beim Backpacking in Äthiopien in einem LKW per Anhalter mitgefahren. Die beiden Fahrer waren sehr nett, sprachen gut Englisch und haben uns viel Spannendes über ihr Land erzählt. Unter anderem wie mühsam es für sie ist, Waren allein schon innerhalb von Äthiopien auszuliefern.

Im sogenannten Logistics Performance Index, einer regelmäßigen Studie der Weltbank, belegen afrikanische Länder daher bisher eher hintere Plätze. Allein Südafrika sticht heraus. Das Land am Kap der guten Hoffnung kommt im internationalen Vergleich auf Rang 33 vor der Elfenbeinküste (Platz 50) und Ruanda (Platz 57). „Insgesamt ist Südafrika […] ein Sprungbrett zum übrigen südlichen Afrika“, sagt daher Inger Steffen, Repräsentantin des Landes Niedersachsen in Südafrika in einer aktuellen Publikation der Bremer Hafengesellschaft Bremenports. Von Südafrika aus werden also auch Waren über Zwischenhändler in Nachbarstaaten weitergereicht.

Freihandel in Afrika
So gute Straßen gibt es nicht überall auf dem afrikanischen Kontinent. Vielerorts ist die Infrastruktur weniger ausgebaut (Foto: KS).

Logistik in Südafrika: Die Gründe für den Erfolg

Für Deutschland ist Südafrika daher der wichtigste Handelspartner auf dem Kontinent. Rund zwei Drittel der Waren, die Deutschland im Jahr 2018 nach Subsahara-Afrika exportiert hat, wurden am Kap der guten Hoffnung entgegengenommen. Das zeigen Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums. Mehrere hundert deutsche Unternehmen betreiben dort Werke und Niederlassungen, zum Beispiel der Autozulieferer Bosch oder die Autobauer BMW und Volkswagen. Auch Unternehmen aus der Finanzbranche, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Maschinenbau sind vertreten, schreibt die deutsche Außenwirtschaftsförderung GTAI. Sie beliefern zum Beispiel Bergbaufirmen mit Pumpen und Maschinen.

Ohne die gute Logistik in Südafrika würde das nicht funktionieren. Dass das Land so attraktiv ist, hat vor allem drei Gründe:

1. Die vielen Häfen

Südafrika verfügt über 3000 Kilometer Küstenlinie – das entspricht circa sechs Mal der Strecke Berlin-München. Für den Warentransport eine wichtige Rolle spielen daher die insgesamt acht Handelshäfen des Landes. Der wichtigste und modernste Hafen ist Durban an der Ostküste. Das ist der Hafen, der oben im Titelbild zu sehen ist. Dort gibt es anders als in vielen anderen Ländern in Afrika moderne Terminals, an denen mehrere sehr große Frachtschiffe gleichzeitig abgefertigt werden können.

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Nach Angaben der amerikanischen International Trade Administration entfallen daher 60 Prozent des südafrikanischen Seehandels allein auf Durban. Viele Waren aus Übersee werden von dort weiter in andere afrikanische Länder verschifft, zum Beispiel nach Kenia. Insgesamt haben in Durban im Jahr 2019 knapp 3300 Schiffe angelegt. Ein weiterer wichtiger Hafen in Südafrika ist Kapstadt. Dort führt aber das windige Wetter dazu, dass der Hafenbetrieb öfter mal pausieren muss. Das hat mir ein Leser geschrieben, der in der Logistik tätig ist.

2. Das Eisenbahnnetz

80 Prozent aller Eisenbahnschienen auf dem Kontinent liegen in Südafrika – das schrieb vor einigen Jahren die Unternehmensberatung PwC. Da das Schienennetz auf dem Kontinent kontinuierlich ausgebaut wird, kann diese Zahl inzwischen überholt sein. Aber die Tendenz zeigt: Südafrika ist im Bereich Schiene führend. Auch touristisch sind Zugreisen vor Ort ein Erlebnis. “Das Eisenbahnsystem des Landes ist erheblich weiter entwickelt als in der Mehrheit der anderen Schwellenländer und mehr als zwei Millionen Menschen reisen jeden Tag mit dem Zug innerhalb südafrikanischer Städte”, heißt es in der Analyse von PwC.

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Zudem können mit dem Zug Waren aus Südafrika ins benachbarte Ausland transportiert werden, zum Beispiel nach Namibia, Botswana oder Mosambik. Am dichtesten ausgebaut ist das Schienennetz in der Gegend rund um Pretoria und Johannesburg. Das zeigt eine aktuelle Analyse der niederländischen Regierung. Allerdings: PwC schreibt, dass Südafrika insgesamt 30 Jahre lang viel zu wenig in seine Schienen und Züge investiert hat. Dadurch komme es immer wieder zu Zugausfällen – und die können Transportunternehmen natürlich gar nicht gebrauchen.

3. Das Straßennetz

Südafrika hat das längste Straßennetz auf dem ganzen afrikanischen Kontinent, insgesamt sind es 750 000 Kilometer. Rund drei Viertel der Waren werden daher nach Angaben der südafrikanischen Regierung per LKW transportiert. Insgesamt seien die Straßen in einem gutem Zustand, schreibt PwC. Mit Ausnahme auf dem Land: Dort gebe es ähnlich wie im Schienenverkehr einen ziemlichen Investitionsstau.

Logistik in Südafrika: Der Vorsprung schrumpft

Große Häfen, viele Straßen und ein einigermaßen gut ausgebautes Schienennetz: Das ist also das Erfolgsgeheimnis der Logistik in Südafrika. Dazu kommt, dass das Land über gut ausgebaute Flughäfen verfügt. Das ist wichtig, falls zum Beispiel einmal in einer Fabrik ein wichtiges Ersatzteil fehlt und schnell eingeflogen werden muss.

Allerdings ist Südafrikas Rolle als Vorreiter auf dem Kontinent dennoch keinesfalls sicher. Denn auch wenn das Land eine lange Küstenlinie hat, ist seine Geografie aus logistischer Sicht nicht optimal, schreibt das Hamburger Giga-Institut in einer Analyse von 2012. Zum Beispiel weil Südafrika teilweise ganz schön bergig ist. Das macht den Weitertransport von den Häfen aus aufwändiger. Und auch die Anbindung in andere Länder ist nicht gut genug, um wirklich als Tor zu ganz Afrika zu dienen, wie es Südafrikas ehemaliger Präsident Jacob Zuma einst versprochen hat.

Konkurrenz durch Marokko und die Elfenbeinküste

Dazu kommt, dass viele andere Länder ebenfalls kräftig im Bereich Logistik investieren. Als größter Containerhafen auf dem Kontinent gilt inzwischen Tanger Med in Marokko. Dort können ungefähr genauso viel Container pro Jahr verarbeitet werden wie im Hamburger Hafen. Das habe ich bereits für meinem Text über die Automobilindustrie in Marokko recherchiert. Von Tanger Med können Waren dann sehr schnell per Zug und Autobahn über Casablanca nach Agadir, weiter südlich in Marokko, gebracht werden. Der deutsche Logistikkonzern DHL hat daher 2019 ein Logistikzentrum in Tanger Med eröffnet.

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Darüber hinaus holen auch andere Staaten auf dem Kontinent auf. Das kleine Land Djibouti zum Beispiel hat sich als wichtiger Hafenstandort in Ostafrika etabliert. Auch Mosambik habe Potential, schreibt die GTAI. Und einen rasanten Aufstieg hat die Elfenbeinküste hingelegt. Im Jahr 2016 lag das Land im globalen Logistics Performance Index noch auf Rang 95. Im Jahr 2018 rutschte es auf Platz 50 und war damit zweitbestes afrikanisches Land hinter Südafrika.

Logistik in Südafrika: Digitalisierung als Lösung?

Südafrika hat sich daher vorgenommen, nun kräftig in den Ausbau seiner Infrastruktur zu investieren. Auch um die Wirtschaft anzukurbeln und die Coronakrise zu überwinden. Das hat Präsident Cyril Ramaphosa im Juni gesagt. Allerdings ist das Land hochverschuldet. Der Staat hat also gar nicht so viele Möglichkeiten, Geld in neue Straßen und Schienen zu investieren. Gut aufgestellt ist Südafrika dagegen im Bereich Start-ups: Viele junge Unternehmen versuchen derzeit, die Logistik mit digitalen Lösungen effizienter zu machen. Dort entwickelt sich derzeit viel Neues – ein Thema, dem ich bald in einem meiner nächsten Blogartikel nachgehen werde.

Mehr zum Thema lesen?

  • Ein kurzer Bericht der Deutschen Welle beschreibt, wie wichtig der Logistiksektor für Afrikas Wirtschaft ist.
  • Wolfgang Busch vom französischen Mischkonzern Bolloré berichtet im Interview mit GTAI, welche Chancen und Herausforderungen die Logistik in Afrika bietet.
  • Wie sich Djibouti als Logistikzentrum in Ostafrika positioniert, schreibt Aboubaker Omar Hadi, Vorsitzender der dortigen Hafengesellschaft im New African Magazine.
  • Samakab Hashi von der Kapitalgesellschaft Lateral Capital hat für The Africa Report aufgeschrieben, welche drei Trends die Logistik in Afrika künftig prägen werden.

Mehr erfahren über Südafrika? Hier geht’s zum Länderlexikon.

1 Antwort zu “Logistik in Südafrika: Warum das Land als Afrikas Drehscheibe gilt”

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