Digitalisierung in Afrika: Eine Chance für KleinunternehmerInnen

Einkaufen im Netz wird in vielen afrikanischen Ländern beliebter. Das bietet nicht nur Chancen für große Online-Marktplätze wie Jumia aus Nigeria oder Takelot aus Südafrika. Auch Kleinunternehmer können ihre Nische finden. Die Gründerin Tatiana Assi-Bla aus Côte d’Ivoire erklärt, wie.

Mal eben einen neuen Wasserkocher bei Amazon kaufen oder ein neues Kleid bei Shein? Hierzulande ist das für viele Menschen normal. Aber in Côte d’Ivoire in Westafrika geht es nicht. Denn viele große Internetplattformen sind dort bisher nicht aktiv.

Die Unternehmern Tatiana Assi-Bla, 31, aus Abidjan hat daraus ein Geschäft entwickelt. Sie importiert Kleidung, Kosmetik und Haushaltsprodukte aus Europa und China und verkauft sie in Côte d’Ivoire weiter. Im Gespräch mit ‘Wirtschaft in Afrika’ erzählt sie, warum sie für die Gründung ihre Arbeit als Informatikerin aufgegeben hat und wie sie ihr Geschäft weiter ausbauen will.

Wirtschaft in Afrika (WiA): Frau Assi-Bla, wie entstand Ihre Geschäftsidee?

Assi-Bla: Ich habe einen Bachelor in Informatik gemacht und danach in der Softwareentwicklung gearbeitet. Damit verdient man in Côte d’Ivoire aber vergleichsweise wenig Geld. Ich wollte mir ein besseres Leben mit mehr Einkommen aufbauen. Daher habe ich im Internet nach Gründungsideen gesucht und habe ein E-Commerce-Unternehmen gestartet. Das war 2019.


Online-Handel in Afrika

Ob Elektronik, Kosmetik oder Haushaltsartikel: Die Kaufkraft der Mittelschicht in Côte d’Ivoire steigt. Die Wirtschaft im Land hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Mehr dazu lest ihr hier. (Foto: Jumia)


Digitalisierung in Afrika: Wie das Import-Geschäft funktioniert

WiA: Also kurz vor der Coronapandemie. Wie sind Sie damals vorgegangen?

Assi-Bla: Ich habe mir zunächst im Netz Wissen angelesen und dann habe mit umgerechnet 300 Euro an Ersparnissen die ersten Produkte gekauft. Die konnte ich dann mit kleinen Gewinn weiterverkaufen und hatte dadurch neues Kapital, um zu investieren. So ist mein Geschäft nach und nach organisch gewachsen.

WiA: Wie kommen Sie an die Ware, die Sie verkaufen?

Assi-Bla: Ich arbeite mit Logistikunternehmen in Frankreich und China zusammen. Meine Geschäftspartner bestellen die Ware für mich über Plattformen wie Amazon, Shein oder Alibaba und senden sie mir nach Abidjan. Ich lagere die Produkte bei mir zu Hause und verkaufe sie stückweise weiter.

Onlinehandel in Afrika
Zu ihrem Angebot zählen unter anderem Extensions.

WiA: Machen all diese Zwischenhändler die Produkte nicht sehr teuer?

Assi-Bla: Importierte Produkte sind in Côte d’Ivoire immer teurer als zum Beispiel in Europa. Daher kann ich keine hohe Gewinnmarge aufschlagen. Ich suche nach Produkten, die bei Amazon und Alibaba sehr günstig sind, aber trotzdem gute Qualität haben, sodass die Preise für meine Kunden erschwinglich bleiben. Um sicherzustellen, dass die Produkte qualitativ hochwertig sind, bestelle ich vorab immer Proben bei den Anbietern.

Digitalisierung in Afrika: Afrikaweites Bezahlen als Hürde

WiA: Wie verkaufen Sie die Produkte in Côte d’Ivoire?

Assi-Bla: Über soziale Netzwerke. Bei Facebook folgen mir derzeit knapp 140 000 Menschen. Ich habe vor allem Kunden in Abidjan und anderen Großstädten im Land. In den ländlichen Regionen von Côte d’Ivoire fehlt es vielen Menschen an ausreichend Internetzugang. Gut wäre, wenn ich mein Geschäft auf andere afrikanische Länder ausweiten könnte. Aber das ist schwierig.

Mit Produktfotos wie diesem wirbt Assi-Bla in sozialen Medien. (Foto: Assi-Bla)

WiA: Warum?

Assi-Bla: In der Regel bezahlen meine Kunden ihre Ware mit mobile money. Das funktioniert aber derzeit nur innerhalb von Côte d’Ivoire und einigen anderen westafrikanischen Ländern. Ich kann also keine Ware in nord- oder ostafrikanische Länder verkaufen. Wir bräuchten Zahlungsdienste wie Paypal oder Stripe. Dann wäre das einfacher.

Assi-Blas Antwort auf die schwache Konjunktur: Diversifizierung

WiA: Aktuell ist die globale Wirtschaftslage nicht gut. Wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Assi-Bla: Die Inflation schwächt die Kaufkraft der Leute. Viele Haushalte können sich weniger leisten und sparen. Das merke ich an meinen Umsätzen. Ich versuche gegenzusteuern, indem ich vor allem Produkte anbiete, die die Menschen wirklich brauchen wie Kinderkleidung oder Produkte für den täglichen Bedarf. Außerdem habe ich mein Geschäft diversifiziert.

WiA: Inwiefern?

Assi-Bla: Ich habe 2021, während der Coronapandemie, eine Coachingakademie gegründet namens Sept Chiffre. Darüber berate ich andere Frauen, die ein E-Commerce-Business aufbauen möchten. Das läuft und ergänzt sich gut. Ich beschäftige mittlerweile fünf Mitarbeiter und will mein Geschäft in Zukunft weiter ausbauen.

Gibt ihre Erfahrung weiter: Assi-Bla mit Workshop-Teilnehmerinnen (Foto: Sept chiffres academie)

Fazit: Das Beispiel zeigt, dass die Digitalisierung in Afrika für die Menschen vor Ort in verschiedener Hinsicht Chancen bietet. Davon profitieren große Onlinemarktplätze wie Jumia und Takealot, aber auch Kleinunternehmer die Mut und guten Geschäftssinn mitbringen. Euch hat das Interview gefallen? Hier könnt ihr mir als kleinen Dank einen Kaffee spendieren:

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1 Antwort zu “Digitalisierung in Afrika: Eine Chance für KleinunternehmerInnen”

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