Paystack aus Nigeria: Der 200-Millionen-Dollar-Deal

Paystack aus Nigeria

Die Gründer Shola Akinlade und Ezra Olubi haben ihr Start-up Paystack aus Nigeria für 200 Millionen Dollar an den amerikanischen Online-Bezahldienst Stripe verkauft, eines der wertvollsten Unternehmen im Silicon Valley. Dieser Deal könnte die nigerianische Start-up-Szene nachhaltig verändern.

Vor ein paar Tagen hat mir mein Mann einen Artikel weitergeleitet. “Diesen Gründer habe ich 2017 in Nigeria getroffen – und jetzt so ein Erfolg!”, schrieb er. “Wahnsinn!” Gemeint hat er Shola Akinlade, den Gründer von Paystack. Das Unternehmen aus Lagos wickelt Zahlungen für andere Firmen in Afrika ab, so wie es der insolvente DAX-Konzern Wirecard hierzulande gemacht hat. Mitte Oktober hat Akinlade sein Unternehmen an den US-Zahlungsdienstleister Stripe verkauft und dafür Medienberichten zufolge 200 Millionen Dollar bekommen. Unvorstellbar!

Ich bin nach dieser Mail natürlich hellhörig geworden. Dass es um das Geschäft von Zahlungsdienstleistern einen ziemlichen Hype gibt, weiß ich. Schließlich wurde auch Wirecard als Börsenliebling gefeiert, bis bekannt wurde, dass das Unternehmen mutmaßlich in großem Stil betrogen hat. Von Paystack aber hatte ich noch nie gehört. Für meinen Blog habe ich daher recherchiert, was das Unternehmen so erfolgreich macht und warum der Deal für Nigerias Start-up-Szene von enormer Bedeutung ist. Hier bekommt ihr Antwort auf die wichtigsten Fragen:

1. Paystack aus Nigeria: Wie funktioniert das Geschäftsmodell?

Das Unternehmen hilft Konzernen, Mittelständlern und Start-ups Zahlungen entgegenzunehmen – egal ob per EC-Karte, Kreditkarte, QR-Code oder Bezahlen per Handy. Gerade Letzteres ist in vielen afrikanischen Ländern verbreitet. Dort gibt es nämlich nicht überall Bankfilialen, Geldautomaten und digitale Kassensysteme. Stattdessen nutzen die Menschen vor Ort mobile Zahlungssysteme wie M-Pesa. Dabei lädt man Guthaben auf seine Handy-SIM-Karte und kann dann Rechnungen bezahlen und Überweisungen tätigen.

Paystack aus Nigeria
Zu den Kunden von Paystack gehört zum Beispiel Doubara Eporwei, Gründerin des nigerianischen Schmucklabels Zivanora. (Foto: Paystack)

Paystack kümmert sich im Hintergrund um die Abwicklung solcher Zahlungen und kassiert für jede Transaktion eine marginale Gebühr. Dabei kommt dem Unternehmen zugute, dass durch die Corona-Pandemie immer mehr Menschen in Afrika Waren online kaufen. Dadurch sind Händler auf Zahlungsabwickler wie Paystack zwingend angewiesen. Aktuell arbeitet das Start-up eigenen Angaben zufolge mit über 60 000 Firmen zusammen. Darunter sind viele Kleinunternehmen, aber auch Konzerne wie FedEx, UPS und der südafrikanische Telekommunikationskonzern MTN.


Online-Handel in Afrika

Warum der Onlinehandel gerade in afrikanischen Ländern so stark wächst, habe ich hier aufgeschrieben.


2. Wer sind die Köpfe hinter Paystack aus Nigeria?

Gegründet wurde Paystack von Shola Akinlade und Ezra Olubi. Akinlade ist in Lagos aufgewachsen, hat Informatik studiert und zwei Jahre lang beim Bierkonzern Heineken gearbeitet. Danach gründete er sein erstes Start-up namens Precurio. Das Unternehmen existiert bis heute und bietet verschiedene Tools an, mit denen Unternehmen ihre interne Zusammenarbeit koordinieren können.

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Im Gespräch mit dem renommierten Inkubator Y Combinator erzählt Shola Akinlade von den Anfängen seiner Gründung.

Durch die erfolgreiche Gründung seien damals mehrere Banken auf ihn aufmerksam geworden, erzählt Akinlade im Podcast der Start-up-Schmiede Y Combinator. Die Banken hätten ihn beauftragt, Softwarelösungen fürs digitale Bezahlen zu entwickeln. Dadurch kam ihm die Idee, Paystack zu gründen. Auf der Suche nach einem passenden Gründungspartner dachte er sofort an seinen ehemaligen Kommilitonen und Mitbewohner Ezra Olubi, der bereits zuvor bei einem Zahlungsdienstleister gearbeitet hatte.

3. Wie ist Paystack aus Nigeria so groß geworden?

Die Idee zu Paystack entwickelten Akinlade und Olubi in 2015. Noch im gleichen Jahr wurden die Gründer von der amerikanischen Start-up-Schmiede Y Combinator aufgenommen – als erstes nigerianisches Start-up überhaupt. Das amerikanische Gründerzentrum ist ziemlich bekannt, weil dort auch Firmen wie Dropbox und Airbnb angefangen haben. Gründer bekommen dort drei Monate lang intensive Unterstützung durch erfahrene Mentoren und können sich ein starkes Netzwerk aufbauen, inklusive Kontakten zu Investoren.

Paystack aus Nigeria
Gut 100 Mitarbeiter aus neun Ländern arbeiten inzwischen für Paystack. (Foto: Unternehmen)

Im Januar 2016 ist Paystack dann gestartet und hat ziemlich schnell Kunden gewinnen können. Dadurch haben die Gründer auch schon früh namhafte Investoren von ihrer Idee überzeugt: Zwischen 2016 und 2020 haben neben Stripe auch Visa und Tencent aus China in das Start-up investiert. Eigenen Angaben zufolge hat Paystack aus Nigeria insgesamt Wagniskapital in Höhe von über zehn Millionen Dollar bekommen. Diese Erfolgsstory führte nun zum kompletten Verkauf der Firma an Stripe Mitte Oktober.

4. Was bedeutet der Deal mit Stripe für das Unternehmen?

Paystack ist bisher in Nigeria, Ghana und Südafrika aktiv – kann also sein Geschäft auf dem afrikanischen Kontinent noch deutlich ausbauen. Genau das soll mit der Übernahme durch Stripe gelingen. Das Geschäftsmodell der Amerikaner funktioniert im Prinzip genau wie das von Paystack: Auch Stripe hilft anderen Unternehmen bei der Zahlungsabwicklung. Die Firma gilt als eine der wertvollsten im Silicon Valley. Derzeit wird das Unternehmen mit 36 Milliarden Dollar bewertet und spielt damit in der gleichen Liga mit wie die Übernachtungsplattform Airbnb.

Mit Stripe als Partner im Rücken hat Paystack nun auf einen Schlag ganz neue finanzielle Möglichkeiten, um sein Geschäft weiter auszubauen. In einer Pressemitteilung von Stripe heißt es, dass das Start-up weiterhin “unabhängig operieren” soll. Warum Shola Akinlade den Deal mit Stripe für den richtigen Schritt hält, erzählt er in diesem Video:

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5. Inwiefern profitiert Stripe?

Das US-Unternehmen Stripe hat sein Geschäft zuletzt weltweit ausgebaut, unter anderem in Asien und in Europa. In Afrika sieht Stripe-Chef Patrick Collison jede Menge Potential. Das hat er jüngst gegenüber dem Portal Techcrunch betont: In absoluten Zahlen sei der afrikanische Markt zwar derzeit kleiner als andere Regionen, aber der Online-Handel dort wachse stark, sagt Collison. “Als Infrastrukturunternehmen denkt Stripe in längeren Zyklen als andere Firmen. Wir denken daran, wie die Welt im Zeitraum 2040-2050 aussehen wird.”

Stripe werde nun versuchen, die Märkte in Afrika besser zu verstehen, sagte Collison gegenüber Techcrunch. Pläne für weitere Übernahmen gebe es nicht; Stripe habe Paystack gekauft, weil die Firma heraussteche und viele Dinge sehr gut mache. Aus technischer Sicht kann ich das nicht beurteilen. Aufgefallen ist mir aber, dass Paystack auf den ersten Blick ziemlich transparent arbeitet. Auf der Internetseite des Unternehmens finden sich viele Informationen darüber, was die Firma macht, wie viel Kapital sie eingesammelt hat und welche Werte sie vertritt.

6. Was bedeutet der Deal für Nigerias Start-up-Szene?

Klar, einerseits ist es schade: Ein Unternehmen, das bisher (zumindest teilweise) in nigerianischer Hand war, gehört nun einem US-Konzern. Das klingt erst einmal nach einer schlechten Nachricht.

Andererseits bringt der Deal für Nigerias Start-up-Szene durchaus Vorteile mit sich. Gerade der Zugang zu Kapital ist nämlich bisher für viele Gründer*innen schwierig. Investoren stecken ihr Geld nur dann in Start-ups, wenn sie davon ausgehen, dass sie ihre Anteile später wieder gewinnbringend verkaufen können. Dass das den Investoren von Paystack, wie Visa, nun offenbar gelungen ist, kann andere internationale Geldgeber*innen motivieren, ebenfalls häufiger nach Afrika zu blicken.

Das Unternehmen Paystack organisiert gelegentlich Netzwerktreffen für die Start-up-Szene in Lagos. (Foto: Unternehmen)

Noch wichtiger ist aber, dass Akinlade und Olubi von dem Deal profitieren. Gründerinnen und Gründer, die ihr Unternehmen erfolgreich verkaufen, engagieren sich danach nämlich oft ebenfalls als Investoren. Das zeigt der Blick in die USA und nach Europa. Reinvestieren die beiden Unternehmer ihr erworbenes Kapital, können sie dazu beitragen, dass vor Ort in Lagos neue Start-ups und Arbeitsplätze entstehen – und zumindest künftig mehr Start-ups teilweise in nigerianischer Hand bleiben.

Mehr lesen?

  • Im Interview mit dem Portal The Africa Report spricht Gründer Shola Akinlade über den größten Deal seines Lebens.
  • Was der Deal für Nigerias Start-up-Szene bedeutet, hat das Portal techpoint.africa analysiert.
  • Schon etwas älter, aber hörenswert: Im Y Combinator-Podcast erzählt der Gründer Shola Akinade von den Anfängen seiner Gründung.
  • Vor dem Deal mit Paystack kannte ich das US-Unternehmen Stripe gar nicht. Mit einem Firmenwert von circa 36-Milliarden-Dollar ist es aber ein echtes Schwergewicht im Silicon Valley – und auch in Deutschland aktiv. Mehr über Stripe in Deutschland lest ihr bei FinanceFwd.com.

Fintech in Afrika: Startups aus Nigeria gelten als Vorreiter

Dass Paystack aus Nigeria kommt, ist kein Zufall. Das Land gilt als führend beim Thema Fintech, also der Digitalisierung der Finanzbranche. Die Gründe dafür lest ihr hier.

2 Antworten zu “Paystack aus Nigeria: Der 200-Millionen-Dollar-Deal”

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