Fintech in Afrika: Nigeria als Vorreiter

Fintech in Afrika: Startups aus Nigeria gelten als Vorreiter

Fintech hat in Afrika stark an Bedeutung gewinnen. Vor allem in Nigeria schreitet die Digitalisierung des Finanzsektors schnell voran. Das weckt zunehmend das Interesse von internationalen Investoren.

Mit dem Smartphone an der Ladenkasse bezahlen, Versicherungen per App abschließen oder online Kreditgebühren vergleichen? Solche digitalen Finanzdienste bietet weltweit eine immer größere Zahl an Start-ups an. Fintech nennt sich der Trend im Fachjargon (hier erklärt). In Deutschland zum Beispiel zählt dazu die “mobile Bank” N26 oder auch das Düsseldorfer Unternehmen Auxmoney, das Kredite zwischen Privatleuten vermittelt.

Fintech ist allerdings nicht nur in Europa ein großes Thema, sondern auch in vielen afrikanischen Ländern. Dort sind die Erwartungen an die neue Technologie sogar noch deutlich größer. Viele Menschen auf dem Kontinent haben nämlich bisher kein Bankkonto. Könnten sie künftig Finanzdienste ganz einfach mit dem Smartphone abwickeln, wäre das nicht nur ein Komfort-Gewinn, wie hierzulande. Sondern es würde vielen Menschen ganz neue wirtschaftliche Chancen eröffnen.

Fintech in Afrika: Nigerias Durchbruch

Als einer der Vorreiter von Fintech in Afrika gilt Nigeria, vor allem seit dem vergangenen November. Damals investierten Geldgeber aus den USA und China binnen weniger Wochen rund 360 Millionen US-Dollar in Fintech-Start-ups vor Ort – eine gewaltige Summe für das Land. Zum Vergleich: Das Kapital, das die nigerianischen Startups im November eingesammelt haben, entspricht einem Drittel des Investorengeldes, das laut der Investmentfirma Partech 2018 insgesamt auf dem Kontinent ankam.

Nigeria ist damit mit einem Schlag auf den Radar von Finanzexperten aus aller Welt gerückt. Denn klar ist: Die jüngsten Investitionen der internationalen Geldgeber sind kein Zufall. Sie sind vielmehr das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Schon seit Anfang des Jahrtausends treiben Unternehmen vor Ort die Digitalisierung der Finanzbranche voran und haben so viel Expertise gesammelt.

Interswitch als neues “Unicorn”

Ein Mann, der für diese Entwicklung stark mitverantwortlich ist, ist der nigerianische Unternehmer Mitchell Elegbe. Der studierte Elektrotechniker hat früher für Schlumberger gearbeitet, ein Unternehmen, das weltweit neue Ölvorkommen erkundet. In Schottland sah Elegbe erstmals einen Geldautomaten, fand das praktisch – und beschloss, elektronisches Bezahlen auch in Nigeria möglich zu machen.

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Interswitch-Gründer Elegbe erzählt, warum sich das Gründen in Nigeria lohnen kann.

Entstanden ist daraus das 2002 gegründete Unternehmen Interswitch, das heute einen Großteil des nigerianischen Online-Bankings abwickelt. Zudem bietet der Konzern weitere Finanzprodukte für Privatleute und Geschäftskunden an, darunter eine eigene EC-Karte sowie die Bezahl-App Quickteller. Wenig überraschend also, dass auch Interswitch im vergangenen November von Investoren Geld bekam: Der globale Finanzdienstleister Visa gab eine strategische Partnerschaft bekannt.

Zahl der Fintech-Startups in Nigeria wächst

Für Interswitch ist das ein doppelter Erfolg: Zum einen eröffnet die Zusammenarbeit mit Visa dem Unternehmen international neue Chancen. Zum anderen gilt das Start-up nun als “Unicorn” – ist also laut Medienberichten mehr als eine Milliarde US-Dollar wert. Der Online-Händler Jumia hat diesen Titel wieder verloren. Über die Gründe habe ich kürzlich berichtet. Daher ist Interswitch nun das einzige Unternehmen auf dem Kontinent, das so für sich werben kann.

Gleichzeitig wächst die Konkurrenz für das Unternehmen. Rund um den Branchenprimus hat sich inzwischen ein breites Netzwerk aus weiteren Fintech-Startups etabliert. Mit zu den Vorreitern zählt zum Beispiel PalmPay. Das junge Unternehmen hat eine Bezahl-App entwickelt und ist im November eine strategische Partnerschaft mit der chinesischen Transsion Holding eingegangen. Die gilt als Afrikas größter Smartphone-Verkäufer und will die App nun laut Techcrunch auf jedem Gerät vorinstallieren.

Fintech in Afrika weckt große Hoffnungen

Die Hoffnung, dass viele Menschen von Fintech in Afrika profitieren ist groß – das gilt sowohl für Nigeria als auch für andere Länder. Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat 2018 darauf hingewiesen, dass weltweit rund 1,7 Milliarden Menschen bisher keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. “Für sie können Fintechs eine wichtige soziale und ökonomische Rolle spielen”, so Lagarde. Der Grund: Man braucht dafür nur Smartphone und Internet – keine aufwändige Infrastruktur.

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In Kenia zum Beispiel profitieren viele Menschen vom mobilen Bezahlsystem M-Pesa.

Teilweise haben afrikanische Länder Deutschland daher bei der Digitalisierung des Finanzsektor inzwischen sogar überholt. So zeigt eine Studie des IWF von Anfang 2019, dass in Staaten wie Südafrika, Tansania und Kenia schon mehr Menschen ein mobiles Konto als ein klassisches Bankkonto besitzen. Überhaupt sei der Kontinent bei der Nutzung mobiler Konten weltweit führend, so die Autoren. Und das heißt: Unternehmen vor Ort haben viele Möglichkeiten, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Start-ups in Nigeria kämpfen mit Hürden

Allerdings, ausgerechnet im Hotspot Nigeria haben Unternehmen dabei durchaus auch mit Hürden zu kämpfen. Yemia Odeyale, Gründer des nigerianischen Fintechs Ping Express weist zum Beispiel auf dem Portal The African Report darauf hin, dass die Geschäftsmodelle vieler Fintechs noch immer stark von klassischen Banken abhängig seien. Zudem besitze aktuell nur gut jeder fünfte Mensch in Nigeria ein Smartphone. Die Hoffnung, dass durch Fintech bald jeder Zugang zu Finanzdienstleistungen habe, sei daher überzogen, schreibt Odeyale.

Dazu kommt, dass der Erfolg von Fintech in Afrika auch neue Risiken mit sich bringt. So rutschen in Kenia inzwischen viele Menschen in die Überschuldung, weil sie per Smartphone Kredite aufnehmen, die sie nicht zurückzahlen können. Das berichtet unter anderem die Zeitung Forbes. Das zeigt: Insgesamt ist der Erfolg der Fintechs in Nigeria zwar eine große Chance. Damit die Menschen vor Ort aber tatsächlich profitieren, muss die Verbreitung von Smartphones zunehmen – und die Regulierung stimmen.

1 Antwort zu “Fintech in Afrika: Nigeria als Vorreiter”

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