Afrikanische Mode: Wie Designermarken aus Afrika die Modewelt erobern

Afrikanische Mode

Bunte Stoffe, elegante Schnitte: Afrikanische Mode ist ein Hingucker. Designerinnen und Designer aus Afrika erobern daher zunehmend die internationalen Laufstege. Und vor Ort auf dem Kontinent entsteht eine ganz neue Industrie.

In Frankreich findet derzeit die berühmte Paris Fashion Week statt – zum allerersten Mal digital. Die originellen Kleiderkreationen, die Männer und Frauen dort über die Laufstege tragen, sind also nur im Livestream zu bewundern. Die Namen, die dabei auf dem Programm stehen, sind größtenteils bekannt: Hermès, Dior und Chanel sind typische Beispiele. Aber es gibt auch neue Label. Mit dabei sind dieses Mal nämlich auch afrikanische Designerinnen und Designer, etwa aus Südafrika und Nigeria.

Afrikanische Mode erlebt derzeit einen internationalen Aufschwung. Lange Zeit haben vor allem Designerinnen und Designer aus den USA und aus Europa die Modewelt dominiert. Sie haben Trends gesetzt, Geld verdient und Magazinseiten gefüllt. London, New York und Paris: So hießen sie, die Pilgerorte der Haute Couture.

Seit einiger Zeit aber wird die Branche diverser: Aufstrebende Modelabels aus Afrika durchbrechen mit bunten Mustern und extravaganten Schnitten die klassischen Traditionen. Auf dem Kontinent ist eine rege Industrie entstanden, mit eigenen Modemessen, eigenen Designs – und natürlich eigenen Influencern.

Afrikanische Mode: Südafrika als Vorreiter

Begonnen hat diese Entwicklung schon Ende der Neunziger Jahre. Damals fand in Südafrika zum ersten Mal die South African Fashion Week statt – eines der ersten Events dieser Art auf dem Kontinent. Inzwischen ist die dortige Fashion Week international renommiert und steht bei vielen Stars und Sternchen der Branchen fest im Terminkalender. Auch Designer*innen aus Südafrika sind daher international schon ziemlich bekannt. Rich Mnisi zum Beispiel oder Thebe Magugu, der nun auch bei der Paris Fashion Week dabei ist.

Einer der neusten Looks von Thebe Magugu. Der Designer gilt als neuer Star am afrikanischen Modehimmel. (Foto: Kristinleemoolman für Thebe Magugu)

Andere Länder wollen da nicht zurückstehen. Über ganz Afrika verteilt gibt es inzwischen namhafte Fashion Weeks, zum Beispiel in Lagos in Nigeria oder in Dakar im Senegal. Auch die Zanzibar Fashion Week in Tansania ist schnell gewachsen. Wie viel die Branche damit umsetzt, ist nicht zu sagen: Zahlen dazu findet man keine. Die Besucherzahlen und das internationale Medieninteresse aber immerhin wachsen, das zumindest lässt sich auf den Internetseiten der Veranstalter nachvollziehen.

African Fashion: noch gibt es Hürden

Noch kämpfen die afrikanischen Veranstalterinnen und Veranstalter dennoch mit Hürden. Zum Beispiel mit technischen Herausforderungen wie Stromausfällen, schreibt das Onlineportal Medium. Mal eben der Strom weg bei einem Live-Event? Keine schöne Sache. Dazu kommt, dass sich auch viele Designer bislang schwer tun, ihre Mode zu vermarkten – sprich: Geld zu verdienen. Vielerorts fehlt es nämlich an Infrastruktur, also zum Beispiel Einkaufsstraßen. Und auch der Online-Handel steht auf dem Kontinent bislang ganz am Anfang, selbst wenn sich das durch die Corona-Pandemie derzeit ändert.


Online-Handel in Afrika

Der Online-Handel in Afrika ist zuletzt stark gewachsen. Ein Grund dafür: die Corona-Pandemie.


Dennoch findet der Aufstieg der Modeindustrie auf dem Kontinent international Beachtung. In London zum Beispiel findet inzwischen jedes Jahr eine “African Fashion Week” statt. Afrikanische Designer waren es auch, die in diesem Jahr die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin eröffnet haben. Und die Zeitschrift Vogue hat im Dezember gar die Lagos Fashion Week zur “spannendsten Modewoche der Welt” erklärt. “Vieles in der nigerianischen Modeszene scheint so gut zu funktionieren, weil sie sich aus sich selbst heraus speist – und nicht auf Impulse von außen wartet”, heißt es zur Begründung.

Mode als Botschaft: Afrikas neues Selbstbewusstsein

Dazu kommt, dass viele Prominente den Aufstieg der Branche unterstützen und aktiv für afrikanische Mode werben. Die Sängerin Beyoncé Knowles zum Beispiel hat kürzlich einen Musikfilm namens “Black is King” veröffentlicht und dabei Designer*innen aus Afrika eine Plattform geboten, wie Loza Maléombho von der Elfenbeinküste. Die Sängerin Rihanna greift ebenfalls immer wieder zu afrikanisch anmutenden Mustern und selbst Ex-Präsidenten-Gattin Michelle Obama wurde schon in Kleidern von afrikanischen Designern gesichtet.

Der Musikfilm “Black is King” fand viel Beachtung. Timing, Botschaft und Design seien beeindruckend, schreibt Spiegel Online. (Foto: Disney)

Ich persönlich finde es super, dass Designerinnen und Designer dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Auch, weil mir die farbenfrohen Designs oft richtig gut gefallen. Vor Kurzem habe ich zum Beispiel bei einem afrikanischen Laden bei uns um die Ecke ein echt schönes Kleid gesehen. Ich habe es dann nicht gekauft, weil ich ein echter Einkaufsmuffel bin. Aber tatsächlich trauere ich dem guten Stück (das übrigens keine Haute Couture war) bis heute hinterher.

Klar ist: Je bekannter afrikanische Mode wird, desto mehr Menschen werden künftig davon leben können. Darüber hinaus finde ich aber vor allem die kulturelle Botschaft wichtig, die die Designs in die Welt tragen: Sie zeigen das neue Selbstbewusstsein der Menschen vor Ort und veranschaulichen zu Recht den Stolz auf die eigene, reiche Kultur. Die muss sich nämlich offensichtlich vor dem Westen in keiner Weise verstecken.

Mehr lesen?

  • Der Kameruner Imane Ayissi schneidert Mode für die bekannten Laufstege der Welt. Der Deutschlandfunk hat ihn in seiner Pariser Werkstatt besucht.
  • Bekannte Designer*innen aus Afrika? Gibt es eine ganze Menge. Vogue hat jüngst zehn von ihnen vorgestellt.
  • Warum der Begriff “afrikanische Mode” der Vielfalt auf dem Kontinent gar nicht gerecht wird, hat Deutschlandfunk Kultur erklärt.
  • Das Online-Portal Medium hat analysiert, mit welchen Hürden afrikanische Designer*innen derzeit noch kämpfen.
  • Wie kann die Modeindustrie nachhaltiger werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich auch viele afrikanische Marken, berichtet das Onlinemagazin Quartz.

Netflix in Afrika

Nicht nur die Mode-, sondern auch die Filmindustrie in Afrika boomt. Der Streamingdienst Netflix will das nutzen.

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