Ölpipeline in Uganda: Ostafrikas schwarze Träume

Pipeline

Seit über 15 Jahren arbeitet Ostafrika am Aufstieg zur Ölregion. Bisher fehlte dafür die Infrastruktur. Nun aber steht eine zentrale Ölpipeline in Uganda und Tansania kurz vor der Umsetzung.

Jahrelang hat es gedauert, nun ist es soweit: Die Regierungen von Uganda und Tansania haben sich auf den Bau einer gut 1400 Kilometer langen Ölpipeline geeinigt. Für Uganda ist das ein historischer Durchbruch. Das Land träumt schon länger davon, zur bedeutenden Ölnation aufzusteigen – und das könnte mit dem neuen Deal funktionieren.

Gut 15 Jahre ist es her, dass internationale Ölfirmen in Uganda fündig geworden sind. Das Öl lagert im Westen des Landes ganz an der Grenze zum Kongo. Insgesamt soll die Region über Ölreserven im Umfang von sechs Milliarden Barrel, also Fässern, verfügen – eine gewaltige Menge. Bisher kann Uganda aus diesem Wissen kaum Gewinn schlagen. Denn weil Infrastruktur fehlt und das Öl nicht abtransportiert werden kann, investieren Unternehmen dort auch nicht. Wirtschaftlich ist die neue Pipeline für Uganda daher von zentraler Bedeutung. Aber es gibt auch warnende Stimmen: Kritiker befürchten, dass dadurch Naturschätze zerstört und Familien vertrieben werden.

Ölpipeline in Ostafrika

Da Uganda keinen Meerzugang hat, soll die Pipeline das Land mit dem Meer verbinden (Foto: EACOP).

Ugandas Ölvorkommen: Land im Aufbruch

Uganda gilt politisch betrachtet als relativ stabil, hat aber einen umstrittenen Staatschef. Der amtierende Präsident des Landes, Yoweri Kaguta Museveni, regiert seit 1986. Länger also als ich lebe. Die Wirtschaft des Landes hat sich unter seiner Herrschaft vor der Corona-Krise recht gut entwickelt. Nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes wuchs Ugandas Wirtschaft seit der Jahrtausendwende jährlich um fünf bis zehn Prozent. Allerdings ist im gleichen Zeitraum auch die Bevölkerung stark gewachsen, sodass sich die höhere Wirtschaftsleistung auf mehr Köpfe verteilt und dadurch etwas relativiert. Der Journalist Isaac Mugabi von der Deutschen Welle schreibt außerdem, Museveni werde zunehmend zum Diktator.

Ansonsten weiß ich persönlich bisher wenig über Uganda, schon gar nicht über die Wirtschaft vor Ort. Wir hatten mal überlegt, dort reisen zu gehen, bevor wir uns für unsere Backpacking-Reise nach Äthiopien entschieden haben. Deswegen weiß ich, dass es in Uganda Wasserbüffel und Krokodile gibt. Das Land bietet außerdem einige schöne Nationalparks, in denen man auch Berggorillas beobachten kann. Außerdem kämpfen die Menschen im Südosten des Landes am Victoria-See derzeit mit Hochwasser. Das habe ich kürzlich in den Nachrichten gesehen. Das war’s dann auch mit meinem Uganda-Wissen.

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Der Tourismus wird für Uganda immer mehr zur wichtigen Einnahmequelle. Warum es Reisende dorthin lockt, zeigt dieses Video von Reisebloggern.

Öleinnahmen bieten viele Chancen

Künftig könnte das Land allerdings international deutlich mehr von sich reden machen – vorausgesetzt, es klappt mit der Ölförderung wie geplant. Uganda müsste dann nicht mehr für viel Geld Öl aus dem Ausland einkaufen. Im Gegenteil: Es könnte sich selbst versorgen und mit dem Export von Öl darüber hinaus noch Geld verdienen. Damit wiederum könnte die Regierung Straßen und Schulen bauen, die Digitalisierung vorantreiben und Unternehmen fördern. Zumindest theoretisch. Und Bedarf dafür gibt es. Im Human Development Index lag Uganda im Jahr 2019 auf Rang 159 von 189.

Dass die Regierung so lange braucht, um das Öl aus Uganda zu vermarkten, liegt an verschiedenen Faktoren. Zum Einen muss sich der Staat mit den Ölfirmen darauf einigen, wie genau das Öl vor Ort abgebaut wird: Wo darf gebohrt werden? Mit welchen Methoden? Wie viel Steuern müssen die Konzerne zahlen? Und wird das Öl als Rohöl exportiert oder vor Ort verarbeitet? Die Verträge, die dabei ausgehandelt werden, gelten in der Regel für viele Jahre. Deswegen sind die Verhandlungen dafür um so aufwändiger.

Ölpipeline in Uganda: Kosten von 3,5 Milliarden Dollar

Dazu kommen geografische Herausforderungen. Da Uganda nicht am Meer liegt, muss die dortige Regierung sich zudem mit ihren Nachbarländern einig werden. Anfangs war geplant, eine Pipeline gemeinsam mit Kenia zu bauen. Auch dort haben Unternehmen nämlich Öl gefunden. Im April 2016 beschloss Uganda dann aber überraschend, dass es sich lieber mit Tansania zusammentun will. Auch wenn die Pipeline zum Meer so noch länger werden muss. Zum Vergleich: Die gut 1400 Kilometer des geplanten Bauvorhabens entsprechen etwa der Luftlinie zwischen Berlin und Rom.

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Ugandas Präsident Yoweri Museveni unterzeichnet die Verträge (Quelle: @KagutaMuseveni/twitter).

Technische Herausforderungen beim Bau der neuen Pipeline gibt es außerdem genug. Wie die deutsche Außenwirtschaftsförderung GTAI schreibt, hat das Öl aus Uganda nämlich eine besondere Konsistenz, ähnlich wie Wachs. Das Öl muss daher während des gesamten Transports erhitzt bleiben, damit es durch die Rohre fließt und diese nicht verstopft. “Technisch gilt das als machbar, wurde auf einer so langen Strecke aber noch nie ausprobiert”, schreibt die GTAI. Außerdem brauche es dafür eine kontinuierliche Stromversorgung. Rund 3,5 Milliarden US-Dollar soll der Bau der Pipeline in Uganda und Tansania daher kosten.

Beginn der Ölförderung rückt näher

Inzwischen werden Ugandas Ambitionen als Ölnation aber trotz all dieser Herausforderungen konkreter. Ein erster Meilenstein dafür wurde im April erreicht. Damals gab der britische Ölkonzern Tullow Oil bekannt, dass er seine Anteile an den Ölvorkommen im Land komplett an den französischen Konkurrenten Total übergeben werde. Zuvor hatte sich Tullow Oil über Jahre mit der Regierung in Kampala über Steuerfragen gestritten.

Der nächste Meilenstein ist nun die neue Pipeline, die Medienberichten zufolge ab dem kommenden Jahr gebaut werden soll. 80 Prozent der Pipeline verlaufen dabei durch Tansania. Daher hat das Projekt auch dort eine enorme wirtschaftliche Bedeutung und soll nach Angaben der Regierung rund 18 000 Arbeitsplätze schaffen.

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Der Preis für Menschen und Umwelt

Allerdings wird der Ölboom für die Menschen und die Natur in Uganda aller Voraussicht nach auch viele Nachteile mit sich bringen. Der Dachverband International Federation for Human Rights sowie die Nichtregierungsorganisation Oxfam haben dazu eine Analyse veröffentlicht. Sie gehen davon aus, dass durch den Bau der Pipeline mehr als 12 000 Familien in Uganda und Tansania vertrieben werden könnten. “Trotz der Versprechungen über Arbeitsplätze und eine bessere Zukunft machen sich die Gemeinden Sorgen über verlorenes Land, Umweltschäden und die ‘leeren Versprechungen’ von Ölgeldern”, sagt Caroline Brodeur von Oxfam.

Die “leeren Versprechungen von Ölgeldern” lassen sich in vielen anderen Ländern ebenfalls beobachten. Als Negativbeispiel gilt zum Beispiel der westafrikanische Staat Nigeria. Auch der war einst mit hehren Hoffnungen in einen Ölrausch gestartet, erlebte dann aber enorme Korruption, ohne dass die Bevölkerung wesentlich profitierte. Dass es in Uganda ähnlich laufen könnte, befürchten selbst die Experten der GTAI. Sie schreiben: “Mehr als fraglich ist, in welchem Maße die Bevölkerung der beteiligten Länder von den vielen Petrodollars profitiert.” Bleibt nur die Hoffnung, dass Ugandas Elite es trotz aller Befürchtungen besser machen wird.

Mehr lesen?

  • Über die neue Pipeline hat hier auch das African Business Magazine berichtet.
  • Was bedeuten die Ölfunde für Ostafrika? Das hat das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik in einem Meinungsbeitrag festgehalten.
  • Uganda und auch Äthiopien planen auch eigene Ölraffinerien, berichtet die GTAI.
  • Nigeria gilt als prominentes Beispiel dafür, was bei der Ölförderung in einem Staat alles schief laufen kann. Die Deutsche Welle berichtet darüber in diesem Video und diesem Artikel.

Korruption in Angola

Auch im Ölstaat Angola ist Korruption ein großes Problem. Die aktuelle Regierung will jetzt zeigen, dass es anders geht – und hat wichtige Reformen angestoßen. Darüber habe ich hier berichtet.

Mehr erfahren über wirtschaftliche Entwicklungen auf dem Kontinent insgesamt? Hier geht’s zum Länderüberblick.

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