Afrika-China-Beziehung: Begonnen, um zu bleiben

Afrika und China haben ihre Wirtschaftsbeziehungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Lange war der afrikanische Kontinent für China vor allem Rohstofflieferant und Ziel für Infrastrukturprojekte. Doch inzwischen wollen Chinas Unternehmen mehr: die junge afrikanische Bevölkerung als Zielgruppe gewinnen.

Im Januar 2020 war ich mit meinem Mann zum Backpacking in Äthiopien. Damals war es noch unvorstellbar, dass das Land nun mitten in einem Bürgerkrieg steckt. Äthiopien galt als wirtschaftlich aufstrebendes Land in Afrika. Der Präsident hatte den Friedensnobelpreis gewonnen und wir konnten uns dort so gut wie überall sicher und frei bewegen.

Bei unserer Reise haben wir beobachtet, wie eng das Land wirtschaftlich mit China verbunden ist. Chinesische Baufirmen bauen zum Beispiel viele Hochhäuser in Addis Abeba. Viele Straßen im Land werden von chinesischen Firmen errichtet. Und zwei junge, gut ausgebildete Äthiopierinnen erzählten uns, dass sie Chinesisch lernten denn das sei wichtig für ihre Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt.


Backpacking in Äthiopien

Backpacking in Äthiopien war für uns eine tolle Erfahrung. Hier lest ihr, was ich auf der Reise über das Land gelernt habe.


Afrika-China-Beziehung: ein richtungsweisendes Gipfeltreffen

Äthiopien ist mit der engen Verbindung zu China keine Ausnahme. Das habe ich bereits auf meinem Blog berichtet. Für viele andere Länder in Afrika ist China ebenfalls wichtiger Kreditgeber und Geschäftspartner. Die Zukunft dieser China-Afrika-Beziehung ist nun Thema beim sogenannten Forum on China-Africa Cooperation (FOCAC), einem wichtigen Wirtschaftsgipfel, der seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre stattfindet.

In diesem Jahr findet das Treffen in Dakar, im Senegal statt. Chinas Staatschef Xi Jinping nimmt Medienberichten zufolge per Videoschalte an der Konferenz teil. Zudem kommen zahlreiche Staatschefs aus afrikanischen Ländern.

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Afrika-China-Beziehung: Die Finanzströme verändern sich

Ich selbst habe das Forum zum Anlass genommen, um mir den aktuellen Stand der Beziehung zwischen Afrika und China noch einmal genauer anzuschauen. Im Fokus steht dabei oft die finanzielle Abhängigkeit Afrikas von China. Forscher der Johns Hopkins Universität haben ausgerechnet, dass chinesische Staatsbanken zwischen den Jahren 2000 und 2017 Kredite in Höhe von 146 Milliarden US-Dollar an afrikanische Regierungen und Staatsunternehmen vergaben. Die NZZ berichtete allerdings kürzlich, dass diese Kreditvergabe zurückgeht. Im Jahr 2019 belief sich die Kreditsumme mit rund sieben Milliarden Dollar auf den “tiefste[n] Stand seit einem Jahrzehnt”, schreibt die Zeitung.

Wie die NZZ berichtet, gibt es dafür mehrere Gründe. Einige chinesische Banken haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Krediten an afrikanische Staaten gemacht. So waren manche große Infrastrukturprojekte wie neue Eisenbahnlinien nicht so rentabel wie versprochen. Und da es in der Vergangenheit zeitweise Turbulenzen am chinesischen Finanzmarkt gab, sind chinesische Banken grundsätzlich bei der Kreditvergabe vorsichtiger geworden.

Private Investitionen gewinnen an Bedeutung

Trotz dieser Entwicklung bleibt China ein wichtiger Geldgeber für afrikanische Länder. Nur verändern sich die Finanzströme. Das Portal The Diplomat berichtete kürzlich, dass die ausländischen Direktinvestitionen von China nach Afrika zuletzt kräftig gestiegen sind. Zahlen der Vereinten Nationen zeigen, dass China im Jahr 2019 Afrikas viertgrößter Investor war. Nur die Niederlande, Großbritannien und Frankreich investierten noch mehr.

Die Grafik zeigt die wichtigsten Investoren in Afrika (Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2021).

Interessant finde ich die Verteilung der Direktinvestitionen aus China. Wie das Portal The Diplomat schreibt, profitieren von den Geldern vor allem Südafrika, die Demokratische Republik Kongo, Sambia und Äthiopien. Das meiste Geld fließt in den Bausektor und die Bergbauindustrie. China investiert relativ betrachtet aber weniger in den Bergbau als zum Beispiel Großbritannien oder Frankreich. Dass das Land Afrika nur als Rohstofflieferant sieht, stimmt also offenbar nicht mehr.

Afrika für China: Einst Rohstofflieferant, jetzt Absatzmarkt

Das bringt mich auch direkt zu meinem nächsten Punkt. Afrika ist für China nämlich inzwischen ein sehr wichtiger Absatzmarkt und zwar gerade auch im Bereich der Digitalisierung. Südafrika zum Beispiel hat im Jahr 2020 für knapp vier Milliarden Dollar chinesische Elektronikprodukte importiert. China dominiert unter anderem den afrikanischen Smartphone-Markt. Zu den meist verkauften Modellen in Afrika zählen die preiswerten Handys des chinesischen Konzerns Transsion.

Die günstigen Handymodelle aus China sind gut auf die Bedürfnisse von Menschen in Schwellenländern abgestimmt. (Foto: Tecno)

Zudem macht sich die chinesische Dominanz bei digitalen Dienstleistungen bemerkbar. Das Unternehmen Transsion betreibt zum Beispiel auch einen erfolgreichen Musikstreaming-Dienst in vielen afrikanischen Ländern. Und der umstrittene Konzern Huawei hat dort in den vergangenen Jahren stark in den Internetausbau investiert, genau wie auch Facebook. Chinesische Konzerne scheinen also sicher, dass die junge, digital affine afrikanische Bevölkerung künftig eine wichtige Zielgruppe wird.

Afrika-China-Beziehung: ein uneinholbares Dreamteam?

Darüber hinaus bemüht sich China, afrikanische Staaten politisch an sich zu binden. Die Regierung in Peking hat viele Länder in der Coronapandemie mit medizinischer Ausrüstung unterstützt und so ihre Stellung auf dem Kontinent gefestigt. Sie nutzt außerdem ihren finanziellen Einfluss, um afrikanische Länder als globale Partner zu gewinnen. “Peking hat bereits breite afrikanische Unterstützung etwa in der UNO aufgebaut und festigt dieses Verhältnis durch die aktive Teilnahme an UNO-Friedensmissonen auf dem Kontinent”, schreibt die Welthungerhilfe.

Die Frage ist nun, wie es künftig mit der Beziehung zwischen Afrika und China weitergeht. Kurz vor dem Forum on China-Africa Cooperation hat Chinas Regierung dazu ein White Paper veröffentlicht. Darin heißt es, dass China die Zusammenarbeit mit Afrika weiter ausbauen und den Kontinent finanziell weiter unterstützen will. Vor allem die Sektoren Infrastruktur, Technologie, Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung sollen gefördert werden. Besonders aussagekräftig ist der Titel des Dokuments: “China and Africa: A Partnership of Equals” heißt es.

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Wie die Wirtschaftsbeziehung zwischen China und Afrika aussieht, erklärt dieser arte-Film in zehn Minuten.

Fazit: Die EU steht unter Handlungsdruck

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe: Das versprechen auch Deutschland und die EU ihren afrikanischen Partnern immer wieder. Mehr dazu lest ihr auf meinem Blog >>hier. Viel Zeit bleibt der Bundesrepublik allerdings nicht mehr, um dieses Versprechen einzulösen. China hat sich schon jetzt beachtlichen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent gesichert und ist inzwischen viel mehr als nur Kreditgeber. Wollen Deutschland und die EU mithalten, müssen sie afrikanischen Ländern nun schnell attraktive, wirtschaftliche Alternativen anbieten und diesen Plänen Taten folgen lassen.

Mehr lesen zum Thema?

  • Welche ausländischen Direktinvestitionen fließen wohin in Afrika? Die GTAI hat dazu mehrere Grafiken erstellt.
  • Kontrolliert China Afrika durch die hohen Kredite? Dieses Bild wird in den Medien oft vermittelt. Die Deutsche Welle hat den Faktencheck gemacht und schreibt: Stimmt nicht. Sehr lesenswert!
  • China ist für Afrika schon jetzt ein “unverzichtbarer Partner”, schreibt die Welthungerhilfe. Warum, lest ihr hier.

2 Antworten zu “Afrika-China-Beziehung: Begonnen, um zu bleiben”

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