Kakaoanbau in Ghana: Vom Rohstoff-Lieferanten zum Schokoladen-Hersteller

Kakao in Afrika

Der Kakaoanbau in Ghana ist eine der wichtigsten Branchen vor Ort. Bisher exportiert das Land allerdings vor allem unverarbeitete Bohnen. Von den Gewinnen der Schokoladen-Industrie kommt daher kaum etwas im Land an. Das soll sich nun ändern – durch vier Maßnahmen.

Ob zartbitter mit hohen Kakao-Prozenten, als heiße Schokolade im Glas oder im Sommer mit Vanille-Eis: Für mich persönlich ist Schokolade unwiderstehlich. Und damit bin ich keine Ausnahme. Allein im Jahr 2017 haben Schokoladen-Hersteller mehr als 40 Milliarden US-Dollar umgesetzt, das zeigt ein Bericht der Marktforschungsfirma Fortune Business Insights.

Der Verkauf von Schokolade ist also ein gigantisches Geschäft – das allerdings seit Jahren in der Kritik steht. Bisher sind die Gewinne nämlich enorm ungleich verteilt. Während internationale Produzenten wie Mars, Nestlé oder Ferrero viel Geld verdienen, kommt bei den Farmern, die den Kakao anbauen, kaum etwas davon an. In den Ländern Ghana und Elfenbeinküste, die rund zwei Drittel des weltweiten Kakaos anbauen, lebt ein Großteil der Landwirte in Armut. Vielen Familien bleibt daher nichts anderes übrig, als sogar ihre Kinder mit auf die Felder zu schicken – das zeigen Zahlen der Schweizer Stiftung Cocoa Initiative.

Über zwei Millionen Kinder arbeiten in Ghana und der Elfenbeinküste im Kakao-Anbau (Grafik: Cocoa Initiative).

Kakaoanbau in Ghana: Wohlstand statt Kinderarbeit

Bekannt ist dieses Problem seit Langem. Inzwischen aber hat Ghana – der zweitgrößte Kakao-Produzent weltweit – davon genug: Die Regierung hat den ungleichen Strukturen den Kampf angesagt. Das Land wolle künftig mehr Kakaobohnen selbst verarbeiten und auch eigene Schokolade produzieren, betonte Ghanas Präsident Nana Akufo-Addo kürzlich bei einem Besuch in der Schokoladen-Nation Schweiz. „Wir glauben, dass es kurz-, mittel- oder langfristig keinen Wohlstand für das ghanaische Volk geben kann, wenn wir weiterhin wirtschaftliche Strukturen aufrechterhalten, die von der Produktion und dem Export von Rohstoffen abhängig sind“, sagte er laut dem Online-Portal Business Ghana.

Dass von den Gewinnen der Schokoladen-Industrie bisher so wenig in Ghana ankommt, liegt unter anderem an der Struktur des Marktes. Der Kakaoanbau in Ghana wird von rund 800.000 Familien betrieben, die oft nur wenige Hektar Land besitzen. Das zeigt eine Analyse des Marktforschungsunternehmens Asoko Insight. Diesen Kleinbauern gegenüber steht eine überschaubare Zahl internationaler Konzerne, die die Bohnen aufkaufen. Dazu zählen Firmen wie Cargill aus den USA und Barry Callebaut aus der Schweiz. Sie verschiffen und verarbeiten die Bohnen und verkaufen sie dann an Schokoladen-Hersteller weiter.

Kakaoanbau in Ghana: Niedrige Preise als Problem

Nichtregierungsorganisationen wie Inkota oder Südwind kritisieren dabei seit Langem, dass die Preise, die internationale Konzerne für den Kakao bezahlen, viel zu niedrig sind. Zwar bemühen sich viele Schokoladen-Hersteller inzwischen um ein nachhaltiges Image. Zum Beispiel, indem sie Farmer in Westafrika in ökologischen Anbaumethoden schulen oder sich gegen Kinderarbeit einsetzen. Doch erstens zeigt ein Bericht von SPIEGEL Online, dass diese Initiativen wenig bringen. Und zweitens gilt: Am Grundproblem, nämlich den niedrigen Preisen, ändern die Konzerne wenig. Der Wettbewerb im Schokoladenmarkt ist hart und jeder will seine Produkte möglichst günstig anbieten.

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Dieser Bericht von Arte zeigt die Probleme im Kakao-Anbau.

Der Plan der ghanaischen Regierung, diese festgefahren Strukturen zu durchbrechen und sich künftig einen größeren Anteil an den Schokoladen-Gewinnen zu sichern, ist also ambitioniert. Tatsächlich ist aber jüngst in der Branche einiges in Bewegung geraten. Vor allem vier Trends könnten den Kakaoanbau in Ghana nachhaltig verändern.

1. Höhere Preise für Farmer

Höhere Preise für die Farmer – dass es die braucht, steht für die meisten Experten außer Frage. Nur: Wie lässt sich das durchsetzen? Die Länder Ghana und Elfenbeinküste, also die beiden größten Kakao-Produzenten der Welt, wollen das nun mit vereinten Kräften versuchen. Damit internationale Konzerne die Länder beim Kakao-Einkauf nicht mehr gegeneinander ausspielen können, arbeiten die Regierungen nun an einer gemeinsamen Preisstrategie. Ende vergangenen Jahres haben sie vereinbart, ab Oktober auf jeden Tonne Kakao eine Prämie von 400 US-Dollar aufzuschlagen. Die soll dazu beitragen, dass Farmer künftig von ihren Verkäufen leben können.

Foto: Елена Черных at Pexels

Die Möglichkeit, solche Preise durchzusetzen, hat der ghanaische Staat durchaus. Der Verkauf von Kakao ist im Land streng reguliert. Alle Verkäufe werden über das staatliche Ghana Cocoa Board, kurz Cocobod, abgewickelt. Ziel der Länder ist es, einen Mindestpreis von rund 2.600 US-Dollar pro Tonne Kakao auf dem Weltmarkt durchzusetzen. Einem Bericht der Deutschen Welle zufolge ist das im Vergleich zu früheren Preisen zwar immer noch niedrig. Im vergangenen Jahrhundert bekamen Farmer demnach oft sogar über 4000 Dollar pro Tonne. Joseph Boahen Aidoo, der Chef von Cocobod, nannte das Treffen dennoch „historisch“: Es sei das erste Mal überhaupt, dass sich Erzeuger und Käufer zusammensetzten, um sich über den Preis von Kakao auszutauschen.

2. Bessere Qualität & größere Anbaumengen

Neben dem niedrigen Preis gibt es beim Kakaoanbau in Ghana ein weiteres Problem. Die Bauern dort bauen nämlich zwar enorm viel, aber bisher nicht unbedingt den allerbesten Kakao an. Das zeigt eine Analyse des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie. Demnach kommt sogenannter „Edelkakao“ bisher vor allem aus Mittelamerika und Asien, nicht aus Westafrika. Das führt dazu, dass Farmer aus Ghana ihre Ware auf dem Weltmarkt nur zu vergleichsweise niedrigen Preisen verkaufen können. Und: Ihr Einkommen schwankt auch stark, weil ihnen durch Schädlinge und schlechte Ernten immer wieder Einnahmen entgehen.

Grafik: Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie

Die staatliche Organisation Cocobod versucht daher seit Jahren, dafür zu sorgen, dass die Farmer besseren Kakao anbauen und Ernteausfälle seltener werden. Beides würde nämlich automatisch dafür sorgen, dass die Farmer mehr Geld haben. Cocobod stellt ihnen daher Pestizide und auch Saatgut zur Verfügung. Außerdem will die Regierung die Branche in den nächsten sieben Jahren mit über 600 Millionen US-Dollar unterstützen. Das Geld soll verwendet werden, um neue Kakaobäume anzupflanzen, Felder besser zu bewässern und weiterhin Schädlinge zu bekämpfen.

3. Verarbeitung der Bohnen im eigenen Land

Ein wichtiges Ziel der ghanaischen Regierung ist es außerdem, Kakao-Bohnen künftig öfter im eigenen Land zu verarbeiten. Bisher ist das die Ausnahme. Das zeigt die Analyse des Markforschungsunternehmens Asoko Insight. Demnach werden derzeit rund 80 Prozent der Kakaobohnen von den internationalen Konzern im Ausland verarbeitet. Und das heißt: Dort passiert die Wertschöpfung, dort entstehen die gut bezahlten Arbeitsplätze. Auf Ghana dagegen entfielen lediglich rund fünf Prozent der Wertschöpfung in der Schokoladen-Herstellung, sagte Nana Akufo-Addo, der Präsident des Landes, im Jahr 2017 der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Kakaoanbau in Ghana
Foto: Delphine Hourlay at Pexels

Die Herausforderung, das zu ändern, ist groß. Schließlich braucht es dafür vor Ort neue Industrieanlagen und auch entsprechende Fachkräfte. Die Regierung in Accra wirbt aber stark dafür, dass sich neue Unternehmen vor Ort ansiedeln – mit Erfolg. Ende vergangenen Jahres zum Beispiel gab das US-Unternehmen Cargill bekannt, dass es künftig einen größeren Anteil der Bohnen direkt in Ghana verarbeiten wolle. Und die Organisation Cocobod hat zudem einen Deal mit chinesischen Firmen abgeschlossen. Danach soll für rund 100 Millionen US-Dollar eine ganz neue Anlage zur Verarbeitung von Kakao im Westen des Landes errichtet werden.

4. Aufbau einer eigenen Schokoladenindustrie

In Ghana selbst wird bisher nur vergleichsweise wenig Schokolade gegessen, genau wie in vielen anderen Ländern auf dem Kontinent. Da die Mittelschicht vor Ort wächst, ändert sich das aber. Bisher profitieren von dieser neuen Lust auf Süßigkeiten erneut die internationalen Hersteller. Firmen wie Mars oder Mondelez kaufen also die Bohnen in Ghana ein, verarbeiten sie im Westen und schicken die fertigen Produkte dann wieder zurück über den Ozean.

Zuletzt sind aber nun auch in Accra die ersten einheimischen Schokoladenmarken entstanden. Eines der bekanntesten Unternehmen vor Ort ist 57Chocolate, das die Schwestern Kimberley und Priscilla Addison gegründet haben. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, haben die beiden lange in Genf gelebt, sind aber 2014 zurück nach Accra gezogen und betreiben nun eine eigene Schokoladenfabrik.

Kakaoanbau in Ghana - 57Chocolate
Die Schwestern Kimberley und Priscilla haben in Accra eine Schokoladen-Manufaktur gegründet (Foto: 57Chocolate).

Oder, ein anderes Beispiel: der Pralinen-Hersteller Midunu Chocolate, gegründet von der Unternehmerin Selassie Atadika. Das Unternehmen vertreibt seine Schokolade online, stellt Firmengeschenke her und kann auch für Caterings gebucht werden.

Noch sind diese neuen Marken natürlich winzig, verglichen mit den riesigen internationalen Schokoladen-Konzernen aus Übersee. Immerhin aber: Das Wissen, wie man hochwertige Schokolade herstellt, ist in Ghana nun vorhanden. Und wenn die Lust auf Süßes vor Ort weiter wächst, dürfte das Ghanas Ambitionen im Markt sicherlich helfen.

Kakao-Anbau in Ghana: Mehr lesen?

  • Die Deutsche Welle hat im vergangenen Jahr darüber berichtet, wie Ghana und Elfenbeinküste für höhere Preise sorgen wollen.
  • Die FAZ hat das Unternehmen 57Chocolate in einem ausführlichen Firmenporträt vorgestellt.
  • Hier lest ihr ein Interview mit der Unternehmerin Selassie Atadika von Midunu Chocolate (englischsprachig).
  • Der Deutschlandfunk berichtet, wie smarte Apps Kleinbauern vor Ort bei der Ernte unterstützen können. Auch das könnte die Einkommen der Farmer erhöhen.

Mehr erfahren über Ghana? Hier geht’s zum Länderlexikon.

7 Antworten zu “Kakaoanbau in Ghana: Vom Rohstoff-Lieferanten zum Schokoladen-Hersteller”

  1. Liebe Katja,
    wieder habe ich viel Neues in Deinen Artikeln gelesen. Am wenigsten hätte ich erwartet, dass in Afrika Kaviar produziert wird. Das ist echt exotisch. Ich hoffe, dass die Situation der Farmer, die Kakao anpflanzen, sich verbessert, auch hier muss man sich fremd schämen, wenn man erfährt, dass europäische Firmen auf Kosten der Farmer immer reicher werden.
    Vielen Dank und liebe Grüße, Ute

    1. Liebe Ute, vielen Dank fürs aufmerksame Lesen! Das freut mich sehr. Ich hoffe auch, dass die Initiativen vor Ort schnell wirken. Liebe Grüße Katja

  2. Sehr interessanter Artikel. Ich hoffe, dass diese Pläne von den betreffenden Regierungen zeitnah umgesetzt werden und die Kakao-Bauern auch tatsächlich von ihren Erzeugnissen profitieren können.
    Ich finde es nur sehr schade, dass wieder ausländische Firmen dort Fabriken errichten. …

    1. Liebe Katia, vielen Dank für deine Nachricht! Ich hatte mich auch gefragt, ob es ghanaische Firmen gibt, die so was bauen. Leider bin ich da nicht so recht fündig geworden… Sobald ich was dazu finde, werde ich das auf jeden Fall ergänzen! Viele Grüße Katja

  3. Liebe Katja,

    wir freuen uns das endlich mal jemand Gutes ueber Afrika schreibt -eine Marktluecke.
    Wir sind selbst eine deutsche Firma seit vielen Jahren in Ghana beheimatet.
    Wir sind auch ein Unternehmen das demnaechst mit Schokoladenproduktion in Ghana starten will.

    Alles Gute und weiter so.

    1. Lieber Erich,

      vielen Dank für die Nachricht und das Interesse. Das freut mich sehr. Sehr spannend, dass ihr vor Ort eine Produktion eröffnen wollt. Viel Erfolg dabei! Gibt es aus Deiner Sicht noch wichtige Aspekte rund um Ghanas Schokoladenindustrie, die in meinem Text noch nicht vorkamen? Falls ja, schreib mir gern eine Nachricht an kontakt @ wirtschaftinafrika.de – ich freue mich immer über Anregungen.

      Danke vorab und viele Grüße Katja

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