Blockchain in Afrika: Wie FlexFinTx allen Afrikanern eine Identität geben will

Blockchain in Afrika

Rund 400 Millionen Menschen in Afrika können sich nicht ausweisen. Das Start-up Flexfintx will das mit Technologie auf Blockchain-Basis ändern. Viele Details sind allerdings noch unklar.

Wenn ich auf meinem Blog über Länder berichten kann, über die ich vorher noch nie geschrieben habe, freut mich das besonders. Heute ist es wieder so weit: Dieses Mal schreibe ich über das Start-up Flexfintx aus Simbabwe.

Normalerweise ist Simbabwe nicht gerade eine Start-up-Hochburg. Das sind eher Länder wie Südafrika, Tunesien, Ghana, Kenia und Nigeria. Das Start-up Flexfintx findet dennoch weltweit Aufmerksamkeit: Es wurde kürzlich als “Technologiepionier” vom Weltwirtschaftsforum ausgezeichnet.

Blockchain in Afrika: Eine Lösung für fehlende Identitäten?

Der Name des Start-ups klingt erst einmal kryptisch. Flexfintx: Das liest sich, als hätten die Gründer bei der “Taufe” mindestens einen Vokal vergessen. Erinnerungswürdig ist der Name des Unternehmens dennoch. Das Start-up hat nämlich sowohl eine spannende neue Technologie als auch eine große Mission vor Augen. Es will dafür sorgen, dass alle Menschen in Afrika eine offizielle Identität bekommen.

Dazu muss man wissen: Bisher können sich rund 400 Millionen Menschen auf dem Kontinent nicht ausweisen. Sie haben also keinen Personalausweis, keinen Reisepass und sind nicht offiziell als Bürger registriert. Wie die Weltbank im Jahr 2017 in einer Analyse festgestellt hat, sind in vielen afrikanischen Ländern die Identitätssysteme unterentwickelt. Die Staaten erfassen also nicht alle Geburten. Zudem gibt es politische Gründe, warum manche Regierungen einigen Menschen keinen Ausweis ausstellen. Zum Beispiel, weil diese einer diskriminierten ethnischen Minderheit angehören.

Flexfintx aus Simbabwe: WhatsApp-Chatbot als Anlaufstelle

Für die betroffenen Menschen hat das drastische Auswirkungen. Sie können keine Kredite aufnehmen, um ein Haus zu kaufen oder ein Geschäft zu eröffnen. Sie können nur schwer einen Telefon- oder Mietvertrag abschließen. Und sie können schon gar nicht ins Ausland reisen. Das Start-up Flexfintx hat daher eine Technologie entwickelt, mit der sich Betroffene unabhängig von ihrer Regierung eine ID auf Blockchain-Basis zulegen können. Diese lässt sich dann bei Bedarf mit Finanzinstituten, Behörden oder Gesundheitsdienstleistern teilen.

Praktisch funktioniert das nach Angaben des Unternehmens so: Menschen, die sich mithilfe von Flexfintx eine ID zulegen wollen, senden eine WhatsApp-Nachricht an eine bestimmte Handynummer. Sie werden von einem Chatbot durch einen Registrierungsprozess geführt und müssen sich bei einem sogenannten Flexfintx-“Netzwerkpartner”, zum Beispiel einer Bank, als Person vorstellen. Dann bekommen sie eine sogenannte FlexID zugewiesen. Das ist ein individueller, fälschungssicherer Code auf Basis der sogenannten Algorand-Blockchain. Damit können sie sich dann ausweisen – zum Beispiel, um einen Kredit zu beantragen.

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In diesem Vortrag erklärt Flexfintx-Gründer Victor Mapunga, wie sein Geschäftsmodell funktionieren soll.

Blockchain in Afrika: Wie Flexfintx gegründet wurde

Der Gründer hinter Flexfintx ist Victor Mapungo. Der Unternehmer stammt gebürtig aus Simbabwe. Er hat aber einen ziemlich internationalen und hochkarätigen Lebenslauf. Wie er auf seinem LinkedIn-Profil schreibt, hat er in Yale und am MIT studiert und schon in der Vergangenheit mehrere Start-ups mitgegründet. Die Idee zu Flexfintx kam ihm im Jahr 2016. Damals versuchte er nach seiner Rückkehr nach Simbabwe ein Bankkonto zu eröffnen und stellte fest, dass das ziemlich schwierig war.

Da auch in Simbabwe viele Menschen keinen Personalausweis besitzen, verlangen Banken nämlich eine ganze Reihe an Dokumenten, um die Identität ihrer Kund*innen auf andere Weise zu bestätigen. Sie fordern zum Beispiel einen Nachweis über den aktuellen Wohnsitz oder einen Einkommensbescheid. Mapunga konnte all das damals nicht vorweisen, wie er im unten stehenden Podcast erzählt. Da er erst kürzlich zurück nach Simbawe gezogen war, hatte er noch keine Arbeit und wohnte bei seiner Mutter.

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Blockchain in Afrika: Technologie statt Bürokratie

Mapunga brachte das zum Nachdenken. War es nur für ihn so schwierig, seine Identität nachzuweisen, fragte er sich. Oder ging es vielen so? Er begann mit der Marktrecherche. Er ging von Bank zu Bank und befragte dort Kunden nach ihren Erfahrungen bei der Kontoeröffnung. Dabei stellte er fest, dass zahlreiche Menschen das gleiche Problem hatten. So kam er auf die Idee, Flexfintx zu gründen.

Gegründet hat er nicht allein, sondern mit Unterstützung eines Freundes aus Indien. Wie Mapunga im Podcast erzählt, haben er und sein Mitgründer sich in Yale kennengelernt. Ich finde allerdings komisch, dass es über diesen Mitgründer so gut wie keine Informationen gibt. In Pressemitteilungen oder Medienberichten ist immer nur von einem Partner namens “Haardik” die Rede. Den vollen Namen habe ich bisher nirgendwo gelesen.


Neue Geschäftsideen auf Blockchain-Basis werden in afrikanischen Ländern auch an anderer Stelle getestet. Internationale Kosmetikfirmen versuchen zum Beispiel, den nachhaltigen Anbau von Vanille per Blockchain zu tracken. Wie viel das bringt, ist aber umstritten.


Flexfintx aus Simbabwe: Auch technologische Details fehlen

Überhaupt könnte Flexfintx meines Erachtens für mehr Transparenz bei seinem Geschäftsmodell sorgen. So konnte ich bei meiner Recherche nicht nachvollziehen, wie die Blockchain-Lösung von Flexfintx technologisch genau funktionieren soll. Auf der Internetseite seines Unternehmens gibt es dazu so gut wie keine Informationen.

In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es: “Die digitalen Identitäten der Benutzer werden im IPFS gespeichert, und die Hashes werden in die Algorand-Kette eingefügt, die sicherstellt, dass die persönlichen Schlüssel im Besitz des Benutzers sind.” Mag sein, dass Programmierer*innen daraus schlau werden. Ich hatte nach dieser Pressemitteilung aber eher mehr Fragen im Kopf als vorher.

Flexfintx aus Simbabwe: Noch steht das Unternehmen am Anfang

Mein Fazit zu Flexfintx ist daher gemischt. Auf der einen Seite finde ich die Geschäftsidee von Victor Mapunga wichtig und spannend. Hat er Erfolg, wäre das für viele Menschen ohne Personalausweis eine große Hilfe. Und da das Unternehmen vom Weltwirtschaftsforum als Technologiepionier ausgewählt wurde, gehe ich davon aus, dass die Blockchain-Lösung durchaus durchdacht ist. Auch die Weltbank hat der Unternehmen kürzlich gekürt:

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Gleichzeitig finde ich es aber immer wichtig, dass innovative Unternehmen über ihre Technologie gut aufklären. Schließlich müssen potentielle Nutzer*innen verstehen, auf was sie sich einlassen und was zum Beispiel mit ihren persönlichen Daten passiert. Mehr Transparenz ist meines Erachtens außerdem im Interesse von Flexfintx selbst. Nur so wird das Unternehmen Kunden und Investoren überzeugen können – und tatsächlich zu einer Veränderung auf dem afrikanischen Kontinent beitragen. So wie Victor Mapunga sich das vorgenommen hat.

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  • Das Unternehmen Ampersand auf Ruanda baut E-Motorräder. Wie es damit internationale Investoren überzeugt hat, lest ihr hier.
  • Viele afrikanische Staaten versuchen derzeit, Start-ups über spezielle Start-up-Gesetze zu fördern. Wie das gelingen soll, zeigt das Beispiel Südafrika.

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