Global Gateway: Einbindung der Wirtschaft stockt

Global Gateway Kritik

Die EU-Initiative Global Gateway soll Europas Rolle in Afrika stärken. Bisher kommt von den Bemühungen der EU-Kommission und der Mitgliedsstaaten aber in der Wirtschaft wenig an. Damit sich das ändert, fordern Wirtschaftsvertreter mehr Transparenz über Förderangebote und mehr Pragmatismus in der Umsetzung.

Anfang März habe ich beim 8. Deutsch-Afrikanisches Wirtschaftsforum NRW 2024 das Eröffnungspanel moderiert. Im Fokus standen insbesondere zwei Fragen: Wie gut läuft die Umsetzung der Global Gateway-Initiative in Afrika und wie können deutsche Unternehmen Investitionen in afrikanischen Ländern am besten angehen?

Das Panel war für mich eine spannende Gelegenheit, mein Wissen über Global Gateway in Afrika zu ergänzen. Meine zentralen Erkenntnisse habe ich im Folgenden zusammengefasst:

Global Gateway: Die EU-Antwort auf Chinas Seidenstraße

Vorab nochmal kurz die wichtigsten Fakten. Die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten haben die Global-Gateway-Initiative 2021 gestartet. Ziel ist es, bis 2027 Investitionen in Höhe von 300 Milliarden Euro weltweit in Schwellen- und Entwicklungsländer zu mobilisieren. Die Hälfte davon soll nach Afrika fließen.

Um diese Ziele zu erreichen, stellen EU-Kommission und Mitgliedsstaaten im Wesentlichen kein neues Geld bereit. Das liegt unter anderem daran, dass der EU-Haushalt schon durchgeplant war, als die Initiative Ende 2021 startete. Die Idee bei Global Gateway ist vor allem, die Investitionsprojekte der EU und der Mitgliedsstaaten auf dem afrikanischen Kontinent, strategischer auszuwählen und besser aufeinander abzustimmen.


Global Gateway Afrika

Mehr über Global Gateway und die geopolitischen Ziele der Initiative könnt ihr in diesem Blogbeitrag von mir nachlesen.


Global Gateway: Konkrete Zahlen sind rar

Zahlen dazu, wie viel Geld von den anvisierten 300 Milliarden Euro schon geflossen ist, findet man kaum. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte im Oktober 2023 beim ersten Global Gateway Forum in Brüssel, die EU habe „bereits 66 Milliarden Euro für transformative Projekte bereitgestellt“. Die Zahlen dürften aber mittlerweile überholt sein, da allein schon während des Global Gateway Forums weitere Investitionen beschlossen wurden.

Im Zuge meiner Vorbereitung auf die Moderation beim Deutsch-Afrikanisches Wirtschaftsforum habe ich aus Kreisen der EU-Kommission erfahren, dass die EU wohl gerade versucht, nachzuvollziehen, wie viel Geld im Rahmen von Global Gateway aus den EU-Staaten in Afrika investiert wurde. Das nachzuvollziehen, ist allerdings gar nicht so einfach, weil es eben nicht den einen großen Global-Gateway-Fördertopf, sondern viele einzelne europäische und nationale Förderansätze gibt.

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Zu wenig, zu spät: Eine Kritik, die man immer wieder über die Global-Gateway-Initiative hört.

Global Gateway: Vernetzung auf politischer Ebene kommt voran

Im Polit-Talk wurde deutlich, dass Brüssel und Berlin durchaus viel tun, um die Beziehung zwischen Afrika und Europa zu stärken. Wolfgang Langen, der Leiter der Exportinitiative im Bundeswirtschaftsministerium, verwies darauf, dass politische Initiativen immer eine Weile brauchen, bis sie in der Praxis Wirkung zeigen. Ziel sei zunächst, die gewachsene Bedeutung von Afrika als Wirtschaftsregion in der Öffentlichkeit und bei Unternehmen bewusst zu machen.

Benjamin Hartmann, der dem direkten Beratungsstab von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen (I.D.E.A.) angehört, verwies auf laufende Investitionsprojekte auf dem Kontinent, an denen die EU beteiligt ist. Insbesondere hob er den Aufbau einer Industrie für grünen Wasserstoff in Namibia hervor und die Entwicklung des sogenannten Lobito Corridors. Das ist ein Transportkorridor, der Angola, Sambia und der DR Kongo den Rohstoffexport erleichtern soll.

Kompliziert und intransparent: Die Kritik an Global Gateway

Von Seiten der Wirtschaft kam auf dem Podium allerdings das Feedback, dass Global Gateway für deutsche Firmen auf dem afrikanischen Kontinent in der praktischen Arbeit noch kaum eine Rolle spielt. Das sagten sowohl Maren Diale-Schellschmidt, die Delegierte der deutschen Wirtschaft in Ostafrika, als auch Bienvenue Angui, eine Expertin für die deutsch-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen und die Gründerin der Berliner Beratungsfirma Mobiang.

Bienvenue Angui, Expertin für deutsch-afrikanische Wirtschaftsbeziehung. (Foto: IHK Dortmund)

Oliver Hermes, der Chef des Dortmunder Pumpenherstellers Wilo, fand ebenfalls klare Worte. Er habe den Eindruck, Europa falle mehr und mehr zurück auf dem afrikanischen Kontinent, kritisierte er. Die Herangehensweise der EU sei zu kompliziert, zu bürokratisch und zu langsam.

EU steuert mit Business Advisory Group gegen

Die Kritik, dass Global Gateway noch zu praxisfern sei, ist in Brüssel bekannt. Die EU hat daher schon im vergangenen Jahr eine sogenannte Business Advisory Group ins Leben gerufen. Das ist eine Gruppe aus 60 CEOs und leitenden Angestellten europäischer Firmen und Wirtschaftsverbände, die der EU-Kommission helfen sollen, besser mit der Privatwirtschaft zusammenzuarbeiten. Aus Deutschland sind Konzerne wie die Allianz, die Deutsche Post DHL Goup, Merck und Siemens mit dabei.

Die Liste der ausgewählten Unternehmen zeigt: Die Leuchtturmprojekte im Rahmen von Global Gateway dürften zunächst in erster Linie für große Unternehmen interessant sein, die Zeit und Ressourcen haben, sich mit den komplexen europäischen Förderprozessen auseinanderzusetzen. Mittelständische Unternehmen sollen dann im Rahmen von Konsortien, also Firmenkooperationen zum Zuge kommen, so die Idee aus Brüssel. Das passiert aber in der Praxis bisher selten.

Biontech Kigali
Ein deutsches Unternehmen, das von Global Gateway profitiert, ist der Pharmakonzern Biontech beim Aufbau einer Impfstoffproduktion in Ruanda. (Foto: Unternehmen)

Trotz Kritik an Global Gateway: Viele Angebote sind da

Insgesamt lässt sich von dem Panel festhalten: Dass EU und Mitgliedsstaaten sich um afrikanische Partner bemühen, wird in der Wirtschaft sehr positiv gesehen. Wirtschaftsvertreter wünschen sich aber mehr Transparenz über die Möglichkeiten, sich einzubringen, und einfachere Förderwege. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hatte sich schon im vergangenen Jahr mit einem Ideenpapier dazu positioniert. Die genauen Vorschläge der DIHK könnt ihr hier nachlesen.

Und, was auf dem Panel auch deutlich wurde, unabhängig von Global Gateway gibt es für deutsche Unternehmen schon jetzt viele Möglichkeiten in afrikanischen Ländern aktiv zu werden. Anlaufstellen dafür sind unter anderem das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, die Mittelstandsallianz Afrika und die Außenhandelskammern in den entsprechenden Länder vor Ort.

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