Rohstoffe aus Afrika: “Deutschland geht den bequemen Weg”

Bergbau Rohstoffe Afrika

Die Africa Battery Initiative vermarktet Rohstoffe aus Afrika wie Kobalt und Nickel. Sie will dafür sorgen, dass afrikanische Länder stärker von ihren natürlichen Ressourcen profitieren. Im Interview erzählt Alawi Swabury, der Gründer und CEO der Initiative, warum sich Investitionen in Minen vor Ort lohnen – und trotzdem kaum deutsche Unternehmen aktiv werden.

Alawi Swabury ist ausgebildeter Arzt, arbeitet aber seit vielen Jahren in der Wirtschaftsförderung für den afrikanischen Kontinent. Er ist überzeugt, dass er den Menschen vor Ort dadurch besser helfen kann als als Arzt, sagt der gebürtige Tansanier. Die meisten Krankheiten in afrikanischen Ländern seien nämlich armutsbedingt.

Swabury hat in Deutschland studiert und lebt seit über zwanzig Jahren in Berlin. Dort hat er eine Politik- und Unternehmensberatung gegründet, um Investitionen aus Europa und Asien in Afrika zu fördern. Im November 2020 hat er darüber hinaus die African Battery Initiative gegründet. Die soll speziell die Stärken Ostafrikas im Rohstoffsektor bewerben.

Wirtschaft in Afrika (WiA): Herr Swabury, wie kam es zur Gründungsidee für die Initiative?

Swabury: Ich war 2020 zu einem Kongress der Global Battery Alliance eingeladen. Das ist eine internationale Allianz, die sich weltweit für eine nachhaltige Wertschöpfungskette bei Batterien einsetzt. Dort kam mir die Idee, dass wir uns als afrikanische Gemeinschaft auch selbst darum kümmern müssen, dass afrikanische Rohstoffe unter fairen Bedingungen abgebaut und exportiert werden. Diese wichtige Aufgabe dürfen wir nicht anderen überlassen.

WiA: Was ist das Ziel der African Battery Initiative?

Swabury: Wir haben drei große Ziele. Wir wollen weltweit darauf aufmerksam machen, wie groß das Potential Ostafrikas bei wichtigen Batterierohstoffen ist. Wir wollen ausländische Investoren in die Region holen, damit diese die Rohstoffvorkommen erkunden und erschließen. Und wir wollen dafür sorgen, dass das zum Nutzen der lokalen Bevölkerung geschieht und Rohstoffe auch teilweise vor Ort veredelt werden.

WiA: Welche Rohstoffe hat Ostafrika zu bieten?

Swabury: Studien zeigen, dass allein die Demokratische Republik Kongo, Tansania, Burundi und Sambia über mehr als 60 Prozent des weltweiten Kobalts, mehr als 40 Prozent des Nickels, mehr als 40 Prozent des Lithiums und mehr als 45 Prozent des Graphits verfügen. Das heißt: Viele Rohstoffe, die zum Beispiel Autohersteller für Batterien brauchen, sind in der Region in großem Umfang verfügbar. Viele Vorkommen sind noch nicht erschlossen. Dafür fehlen Kapital und Infrastruktur.

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Rohstoffe aus Afrika: Wie die Staaten profitieren können

WiA: Aber China investiert doch schon viel in Afrika…

Swabury: Ja, aber das Potential ist weit größer. Wir würden uns wünschen, dass Europa viel mehr macht. Chinesische Investoren kaufen afrikanische Minen oft einfach auf. Davon profitiert die lokale Bevölkerung kaum. Wir setzen uns als Initiative dafür, dass ausländische Investoren Joint Venture-Firmen mit afrikanischen Partnern, zum Beispiel Minenbesitzern, gründen und gemeinsam Rohstoffe abbauen und veredeln. So entstehen Knowhow und Arbeitsplätze vor Ort. Das fördert die Länder nachhaltig.

WiA: Gibt es vor Ort denn schon Anlagen, um Rohstoffe zu veredeln?

Swabury: Diese Anlagen entstehen gerade – auch weil afrikanischen Regierungen das viel mehr forcieren als früher. Tansania und viele andere Länder im östlichen und südlichen Afrika haben Anfang 2023 die Ausfuhr kritischer Mineralien aus ihren Ländern verboten, sofern sie nicht mit einem Mehrwert verbunden ist. Für uns schafft das eine viel bessere Basis für Verhandlungen mit Investoren. Wir setzen uns neben der Veredelung vor Ort auch dafür ein, dass Investoren nur 60-70 Prozent der abgebauten Rohstoffe ins nicht-afrikanische Ausland exportieren und den Rest in Afrika verkaufen. So kann sich die Industrie auf dem Kontinent weiterentwickeln.

WiA: Wie genau fördern Sie Investitionen in den afrikanischen Bergbau?

Swabury: Wir haben eine Datensammlung mit circa 2500 afrikanischen Mineninhabern aufgebaut und wir kooperieren weltweit mit Industrieverbänden, zum Beispiel mit den amerikanischen und chinesischen Automobilherstellern. Unsere Aufgabe ist, Kontakte zwischen interessierten Investoren und den afrikanischen Mineninhabern herzustellen und sie beim Aufbau von Joint Venture-Firmen zu unterstützen. Gerne würden wir auch mit dem deutschen Verband der Automobilindustrie zusammenarbeiten. Aber dort hält man uns offenbar für zu klein und unbedeutend. Überhaupt machen europäische Investoren viel zu wenig.

Originalgrafik: eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52020DC0474

Die EU und ihre Rohstoffabhängigkeit von China

WiA: Inwiefern?

Swabury: Wir merken einfach, dass Unternehmen aus anderen Ländern Investitionen viel schneller zusagen und umsetzen. Europa und insbesondere auch Deutschland sind bisher einen bequemen Weg gegangen. Anstatt sich selbst um den Abbau von Rohstoffen zu kümmern, beziehen europäische Unternehmen ihre Rohstoffe in großem Umfang von China. Das hat den Vorteil, dass sie sich nicht für potentielle Probleme im Bergbau verantworten müssen. Aber es ist eben auch heuchlerisch.

WiA: Weil man die dreckige Arbeit Staaten wie China überlässt?

Swabury: Ja. Hierzulande zeigt man gerne mit dem Finger auf China und schimpft darüber wie das Land in Afrika die Umwelt zerstört und die Minenarbeiter ausbeutet. Aber die Wahrheit ist doch: Ein sehr großer Anteil unserer Rohstoffe kommt von chinesischen Unternehmen. Die EU könnte viel mehr für gute Arbeitsbedingungen und hohe Umweltschutzstandards im afrikanischen Bergbau tun, wenn sie sich selbst vor Ort engagieren würde. Aber davor scheuen die Staaten und Unternehmen zurück, aus Sorge, dann doch mit Ausbeutung und Kinderarbeit in Verbindung gebracht zu werden. Mit dieser Haltung schadet sich die EU selbst.


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Dass deutsche Unternehmen zurückhaltend sind, hat Gründe. Sie wollen schlechte Presse, wie dieses Video, vermeiden.

WiA: Warum?

Swabury: Weil China seine Rohstoffe künftig zunehmend für seine eigene Klimawende braucht. Außerdem hat der Angriff Russlands auf die Ukraine klar gezeigt, dass zu große Abhängigkeiten von einzelnen Ländern gefährlich sind. Europäische Staaten und Unternehmen wissen das auch. Alle stehen jetzt vor der großen Frage, wie sie sich künftig ihre Rohstoffe sichern sollen. Aber es wird viel geredet und wenig gemacht. Ganz anders als in anderen Weltregionen.

WiA: Aus welchen Regionen kommt mehr Interesse?

Swabury: Wir erleben derzeit großes Engagement von amerikanischen Unternehmen in Afrika und auch von arabischer Seite wächst das Interesse. Saudi-Arabien zum Beispiel will eine E-Auto-Industrie aufbauen und sichert sich dafür derzeit den Zugang zu Rohstoffen weltweit. Das Land will in den kommenden Jahren 15 Milliarden US-Dollar in den afrikanischen Bergbau investieren, von der Erschließung neuer Vorkommen bis zur Verarbeitung der Rohstoffe vor Ort. Wir als Initiative arbeiten mit allen Partnern zusammen, die afrikanischen Ländern faire Bedingungen bieten. Wir können nicht auf Europa warten.

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