Chinas Einfluss in Afrika: Beliebter als die EU es darstellt

China in Afrika

China ist ein wichtiger Geldgeber und Handelspartner für Afrika. In Europa heißt es: Peking treibe den Kontinent in die Schuldenfalle. Doch in Afrika wird das anders wahrgenommen.

Chinas Rolle in Afrika beschäftigt mich auf meinem Blog immer wieder. Zuletzt habe ich über die Beziehung zwischen Peking und der Afrikanischen Union im Rahmen des Forum on China-Africa Cooperation (FOCAC) 2021 berichtet. Das ist eine der wichtigsten Konferenzen für die chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit.

Schon seit Längerem ist China in Afrika omnipräsent. Chinesische Firmen bauen vor Ort Straßen und Eisenbahnen, sie holen sich dort Rohstoffe, kaufen Ackerflächen auf, produzieren Textilien, investieren in die Musikindustrie und liefern jede Menge Smartphones nach Afrika.

Das FOCAC 2021 hat gezeigt: Peking will die Beziehung zu Afrika auf ein neues Level heben. Wie, erfahrt ihr hier.

Chinas Einfluss in Afrika: In Europa häufig in der Kritik

Die Wirtschaftsbeziehungen sind also eng und vielfältig. Und genau das wird in Deutschland und der EU oft sehr kritisch gesehen. Peking treibe die Länder in die Schuldenfalle, heißt es immer wieder. Das Land zerstöre die Umwelt auf dem Kontinent, zum Beispiel für den Bergbau. Und es liefere gleichzeitig schlechte Qualität bei Bauprojekten.

Das ist nur ein Ausschnitt aus der langen Liste der Kritikpunkte. Kritisiert wird noch mehr. Allerdings ist diese Kritik offenbar primär die europäische Sichtweise. In Afrika selbst wird die Zusammenarbeit mit den Chinesen deutlich positiver wahrgenommen, zeigen Studien. Das habe ich für das Policy Briefing Europa.Table recherchiert. Hier lest ihr eine gekürzte Version des Textes.

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Chinas punktet mit schnellem Handeln

Eine Strategie, mit der China in Afrika punktet, lautet: Handeln statt diskutieren. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung. Darin lobte ein Großteil von 1600 befragten afrikanischen EntscheiderInnen: China treffe schnelle Entscheidungen, setze Projekte rasch um und mische sich nicht in innenpolitische Angelegenheiten ein.

Europa sei stolz auf die eigenen Werte, doch für viele Afrikaner zähle die chinesische Leistung, kommentiert Stefan Schott, Projektleiter bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, die Studie: “Eine Straße, die nach kurzer Bauzeit durch die Chinesen fertiggestellt wird, ist in der Wahrnehmung der Afrikaner auch ein Wert – und konkreter als manch europäisches Projekt zur Förderung von Demokratie, Menschenrechten oder Nachhaltigkeit.“

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Chinas Einfluss in Afrika: Vor allem bei der Jungend beliebt

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie der südafrikanischen Familienstiftung Ichikowitz. Darin heißt es, China werde von jungen AfrikanerInnen als die Großmacht mit dem positivsten Einfluss auf dem Kontinent wahrgenommen – vor den USA und Europa. 76 Prozent von 4500 Befragten in 15 Ländern vertreten demnach diese Ansicht. Neue Straßen, moderne Smartphones und mehr Jobchancen: Das alles verbinden afrikanische Jugendliche mit China.

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Mit dem wachsenden Einfluss Chinas in Afrika hat sich kürzlich auch der Economist beschäftigt.

Für das Policy Briefing Europe.Table habe ich mit weiteren ExpertInnen aus der Wissenschaft über diese Ergebnisse gesprochen. Unter anderem mit dem unabhängigen Afrika-China-Forscher Tom Bayes, der kürzlich für die Konrad-Adenauer-Stiftung untersucht hat, mit welchen Narrativen China auf dem afrikanischen Kontinent erfolgreich ist.

Entwicklungspartner statt Ex-Unterdrücker

Aus seiner Sicht ist Afrika für China vor allem wichtig, um dort die chinesische Überproduktion an Industrieprodukten zu verkaufen. Doch das Land verstehe es gut, sich dabei als Vorbild und Entwicklungspartner zu positionieren, sagt Bayes. Das gehe auch, weil China in Afrika die koloniale Vergangenheit fehle.

Ein konkretes Beispiel dafür liefert ein Artikel aus der tansanischen Zeitung The Citizen. Dort heißt es, China habe schon in den 70er Jahren die Eisenbahnstrecke zwischen Tansania und Sambia ausgebaut und den Ländern so zu Wachstum verholfen. Und zwar zu einer Zeit, als der Westen nur wie so oft dankend abgewunken habe.

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Warum China in Afrika Eisenbahnen baut, erklärt der britische YouTuber Fred Mills.

Experte: Kritik an “Schuldenfalle” ist übertrieben

Darüber hinaus sei die Kritik der EU an China nicht in allen Punkten gerechtfertigt, findet Tom Bayes. So habe sich die Qualität chinesischer Produkte und Bauvorhaben mittlerweile verbessert. Und es sei zwar richtig, dass China auch eigene Arbeitskräfte mit auf den Kontinent bringe. Aber dafür baue das Land inzwischen verstärkt Bildungszentren in Afrika und holt afrikanische Studierende mit Stipendien nach China, sagt er.

Mit dem südafrikanischen Außenpolitikexperten Cobus van Staden habe ich außerdem über die Frage gesprochen, ob China Afrika “in die Schuldenfalle” treibt. Van Staden arbeitet am South African Institute of International Affairs und ist Co-Host des renommierten „The China in Africa Podcast“. Darin berichtet er regelmäßig mit dem Journalisten Eric Oleander über Chinas Aktivitäten auf dem afrikanischen Kontinent.

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Chinas Einfluss in Afrika: Die EU als bessere Alternative?

Aus Sicht von van Staden ist China zwar ein wichtiger Kreditgeber für einzelne Länder in Afrika, zum Beispiel für Sambia oder Angola. Aber dass chinesische Banken den gesamten Kontinent in eine Schuldenfalle treiben würden, sei falsch, sagt er. “China ist nicht die einzige Quelle für Schuldenprobleme auf dem Kontinent.“ Auch Schulden bei westlichen Geldgebern sorgten für Ärger.

Spannend finde ich auch, dass van Staden den Wettbewerb zwischen China und der EU in Afrika insgesamt kritisch sieht. Die EU arbeitet derzeit mit der sogenannten Global-Gateway-Strategie an einem Pendant zur chinesischen Belt-And-Road-Initiative. Man wolle den “Partnern in den Entwicklungsländern [zeigen], dass sie eine Wahl haben”, sagt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

G7.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim G7-Gipfel im Juni (Foto: EU).

Mein Fazit: Eurozentristische Sicht sollte enden

Doch Cobus van Staden hält diese “Wahl” für Afrika gar nicht für erstrebenswert. Eine engere Zusammenarbeit mit der EU könne für afrikanische Länder zwar von Vorteil sein, sagt er. Aber: Afrika dürfe nicht zum Spielball werden zwischen Peking und Brüssel. “In Afrika gibt es viel Entwicklungsbedarf. Wir brauchen alle Partner.“

Für mich zeigt diese Aussage: Wie so oft haben wir in Deutschland und Europa bei der Diskussion über China in Afrika zu stark die eigenen Interessen im Blick. Anstatt uns gegen Peking zu positionieren, sollten wir uns an die Seite Afrikas stellen. Das wäre echte Partnerschaft.

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1 Antwort zu “Chinas Einfluss in Afrika: Beliebter als die EU es darstellt”

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