Landwirtschaft in Afrika: Angola sucht nach Öl-Alternativen

Landwirtschaft in Afrika

Angola war einst die Kornkammer Afrikas. Doch der Bürgerkrieg hat die Landwirtschaft vielerorts zum Erliegen gebracht. Nun will die Regierung den Ackerbau wiederbeleben – und unabhängiger vom Auslaufmodell Erdöl werden.

Angolas Hauptstadt Luanda gilt als Stadt der Gegensätze. Krasser Reichtum und bittere Armut trennt dort teilweise nur wenige Straßenzüge. Das zeigt unter anderem diese Reportage aus Deutschlandfunk Kultur. Nach Angaben der Weltbank lebten in Luanda schon vor der Coronakrise zehn Prozent der Bürger in Armut. Gleichzeitig zählen die Hotels und Restaurants dort zu den teuersten der Welt.

Der Grund dafür ist der Ölreichtum des Landes. Er hat eine kleine Elite im Land extrem reich gemacht. Angola ist einer der wichtigsten Ölstaaten in Afrika, gemeinsam mit Nigeria und Libyen. Allerdings war die Politik dort jahrelang von Korruption geprägt. Daher ist der Ölreichtum nur bei wenigen Angolanern angekommen.

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Eine Analyse der Unternehmensberatung Mercer aus dem Jahr 2017 zeigt, wie exorbitant hoch die Lebenshaltungskosten vor Ort sind.

Landwirtschaft in Afrika: Angola geht neue Wege

Das Land arbeitet daher an einem Neustart. Wie ich bereits auf meinem Blog berichtet habe, hat die aktuelle Regierung der Vetternwirtschaft den Kampf angesagt. Sie will Angolas Staatshaushalt zudem unabhängiger machen von den Öleinnahmen denn die werden voraussichtlich nicht ewig sprudeln.


Korruption in Angola

Gute Vorsätze plus Strafverfolgung: Hier lest ihr, wie die Regierung die Korruption in Angola bekämpfen will.


Die Regierung setzt dabei auf eine Branche, die auf den ersten Blick wenig innovativ wirkt: die Landwirtschaft. Sie will den Anbau von Produkten wie Bananen, Mais und Soja fördern. Die Betriebe im Land sollen so professionell werden, dass sie für den Export produzieren und künftig auf den Weltmärkten mitspielen können. So wie sie es in den 60er-Jahren schon getan haben. Die Steuereinnahmen daraus sollen dann statt des Öls den Staatshaushalt stützen.

Landwirtschaft in Afrika: Das ungenutzte Potential ist riesig

Der zuständige Landwirtschaftsminister des Landes berichtet in wenigen Tagen beim German-African Agribusiness Forum wie Angola dieses Ziel erreichen will. Für meinen Blog habe ich mir die wichtigsten Fakten aber schon jetzt angeschaut. Dabei habe ich gelernt, dass Angola sehr gute Voraussetzungen für den Ackerbau bietet. Das Land ist fast dreieinhalb Mal so groß wie Deutschland, hat aber nur circa 30 Millionen Einwohner. Es gibt also viele freie Flächen, außerdem vielerorts gemäßigte Temperaturen und ausreichend Regen.

In der Praxis werden dennoch nur zehn Prozent der potentiellen Nutzfläche im Land aktiv bewirtschaftet. Angola muss sogar viele Lebensmittel importieren, Weizenmehl zum Beispiel und Sojabohnen. Das ist unter anderem eine Folge des Bürgerkriegs von 1975 bis 2002. Damals wurden viele Familien von ihren Feldern vertrieben und Straßen zerstört. Viele Felder liegen voller Landminen. Die verbleibenden Betriebe arbeiten oft ineffizient. Daher trägt der Sektor nur gut zehn Prozent zu Angolas Wirtschaftsleistung bei, obwohl jeder zweite Erwerbstätige darin arbeitet.

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Angolas Regierung setzt auf Förderprogramme

Um das zu ändern, hat sich die Regierung einen Plan zurecht gelegt. Sie hat in den vergangenen Jahren mehrere staatliche Agrarbetriebe privatisiert und spezielle Förderprogramme für die Branche gestartet. Sie unterstützt den Aufbau von Logistikzentren im Land und hilft bei der Verteilung von Saatgut.

Interessant finde ich, dass die Regierung außerdem versucht, weitere Produktionsschritte zu fördern. Sie hat zum Beispiel den Aufbau von mehreren Weizenmühlen unterstützt. Dadurch kann Angola nun statt teurem Mehl Weizen importieren und diesen selbst mahlen. So bleibt die Wertschöpfung im Land und es entstehen neue, gut bezahlte Industriearbeitsplätze. Ich finde, das ist eine kluge Strategie. Sie schafft für die Menschen vor Ort viele neue Chancen.

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Anfang 2017 eröffnete in Luanda eine der größten Weizenmühlen des Landes (Foto: Grandes Moagens de Angola).

Ausblick: Angolas Landwirtschaft mit guten Perspektiven

Ich bin daher gespannt, wie sich die Landwirtschaft in Angola künftig entwickelt vor allem auch nach den Präsidentschaftswahlen dort im kommenden. Immerhin: Bei der Herstellung von Mehl gilt Angola inzwischen als Selbstversorger. Und auch der Anbau und die Verarbeitung von Kaffee machen Fortschritte. Das Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence geht in einer Analyse davon aus, dass der Landwirtschaftssektor in Angola bis zum Jahr 2026 jährlich um 5,6 Prozent wachsen wird.

Die Coronakrise hat diesen Trend bisher nicht aufhalten können. Zwar haben einige Betriebe ihre Exportpläne aufgeschoben und beginnen nun später als geplant mit dem Export von Bananen und Kartoffeln nach Europa. Das schreibt die deutsche Außenwirtschaftsförderung GTAI. Die Experten schreiben aber auch, dass das Wachstum der Branche weitergeht. Mehl, Bananen und Soja statt Öl: Für mich klingt das für Angola auf jeden Fall nach einer guten Alternative.

Mehr lesen zum Thema?

  • Eine spannende Reportage über die Landwirtschaft in Angola lest ihr beim Portal Euronews.
  • Was erwartet Angola bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr? Das berichtet der Deutschlandfunk.
  • Was muss sich ändern, damit Angola und andere Länder in Afrika ihr landwirtschaftliches Potential besser nutzen können. Dieser Frage ist auch die FAZ schon nachgegangen.

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