Investieren in Afrika: Wie Ruanda zum globalen Finanzplatz werden will

Investieren in Afrika? Das ist vielen Geldgebern bisher zu riskant. Ruanda will daher seinen Bankensektor stärken und zum internationalen Finanzzentrum für den ganzen Kontinent werden. Doch andere Länder haben das gleiche Ziel.

Vor Kurzem bin ich bei LinkedIn auf einen Bericht des Onlinemagazins African Business aufmerksam geworden. Darin las ich, dass Ruanda seine Hauptstadt Kigali zum internationalen Finanzplatz ausbauen will. Ich fand das sofort spannend, denn von einem Problem erfahre ich bei meinen Recherchen für diesen Blog immer wieder: Auf dem afrikanischen Kontinent fehlt das Geld für Investitionen.

Ein Problem ist zum Beispiel, dass in vielen afrikanischen Ländern die Banken mit veralteten Systemen arbeiten und gleichzeitig wenig Konkurrenz haben. Das führt dazu, dass Kredite vor Ort oft sehr teuer sind. Viele Unternehmen, die neue Maschinen kaufen oder neue Mitarbeiter einstellen wollen, können sich das nicht leisten. Die afrikanische Wirtschaft wird ausgebremst.

Investieren in Afrika
Als erfolgreiches Handwerksunternehmen zu wachsen? Ohne günstige Bankkredite ist das schwierig. (Foto: KS)

Oder ein anderes Beispiel: In Europa wird derzeit viel darüber diskutiert, wie in Afrika mehr neue Wind- und Solarparks gebaut werden können – unter anderem, um sogenannten grünen Wasserstoff zu erzeugen und nach Europa zu transportieren. Immer wieder betonen Unternehmer und Politiker dabei die großen Chancen für den Kontinent. Geht es dann allerdings um die Umsetzung von konkreten Energieprojekten vor Ort, fehlt oft das nötige Kapital. Viele ausländische Fonds und Banken investieren in Afrika nämlich selten, weil sie Investitionen dort für zu riskant halten.

Investieren in Afrika: Bisher nur fünf wichtige Finanzplätze

Ein Grund dafür ist, dass bisher in Afrika große Finanzplätze und erfahrene Finanzdienstleister knapp sind. Wie der Global Financial Centres Index zeigt, gibt es bisher fünf größere Finanzzentren auf dem Kontinent: Casablanca (Rang 53 im internationalen Vergleich), Kapstadt (62), Johannesburg (64), Mauritius (73) und Nairobi (98). International spielen diese aber alle eine eher untergeordnete Rolle. Und eine Umfrage im Auftrag der ruandischen Regierung hat ergeben, dass auch afrikanische Banken international wenig Bedeutung haben: Sie werden selbst bei Deals auf dem afrikanischen Kontinent kaum eingebunden.

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Welche Schwierigkeiten gibt es bei Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent? Das wird in diesem Podcast näher erläutert.

Die Regierung von Ruanda hat sich daher ein anspruchsvolles Ziel gesetzt: Sie will die ruandische Hauptstadt Kigali zum zentralen Finanzplatz ausbauen. Banken, Finanzdienstleister und Investmentfonds in Kigali sollen künftig enger zusammenarbeiten. Es soll mehr Expert*innen geben, die mit ihrem Know-how internationalen Ansprüchen gerecht werden. Und es soll neue Gesetze geben, die Korruption bekämpfen und Investitionen vor Ort erleichtern. Dafür hat die Regierung eine staatliche Agentur namens Rwanda Finance Limited (RFL) gegründet, die diesen nun Plan umsetzen soll.

Investieren in Afrika: Ruanda als “Schweiz von Afrika”

Ein wichtiges Ziel der Regierung in Ruanda ist es, Afrika dadurch als Ort für Investoren insgesamt attraktiver zu machen. Darüber hinaus dient das Vorhaben aber auch nationalen Interessen. Der Finanzsektor soll dem ostafrikanischen Land nämlich in großem Umfang neue Einnahmen bringen. Ruanda ist mit nur rund zwölf Millionen Einwohnern ein relativ kleines Land. Es fehlt also ein großer “Binnenmarkt”, der zum Beispiel ausländische Unternehmen anlockt. Zudem verfügt Ruanda nicht über einen Meereszugang. Sprich: Auch als Logistikstandort im wichtigen Seehandel kann das Land nicht punkten. Es braucht also andere Einnahmequellen.

Internationale Finanzdienstleistungen bieten sich dabei an. Denn wie man an der Schweiz oder an Luxemburg sieht, lassen diese sich gut in alle Welt exportieren – ganz egal wie klein ein Land ist. Darüber hinaus sind Finanzgeschäfte gut dotiert, sie schaffen also gut bezahlte Arbeitsplätze und bringen zudem wichtige Devisen ins Land. Ein internationaler Finanzplatz namens Kigali hätte für die ruandische Regierung also gleich mehrere gewichtige Vorteile.

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Steuervorteile und Transparenz sollen helfen

Ruanda will ausländische Investoren in Zukunft durch eine ganze Reihe an Investitionsvorteilen anlocken. Für Unternehmen, die in Ruanda investieren, soll es zum Beispiel keine Devisenkontrollen und auch keine Kapitalertragssteuern mehr geben. Ausländische Firmen, die in Ruanda Gewinne erwirtschaften, sollen diese zu 100 Prozent zurück in ihre Heimatländer transferieren können. Und darüber hinaus will die staatliche Agentur Rwanda Finance Limited eine unabhängige Schlichtungsstelle einrichten, um Streitigkeiten bei Finanzgeschäften schnell beizulegen.

Die Verantwortung dafür trägt ein Manager, der in der Finanzwelt international nur all zu gut bekannt ist: Der Vorstandsvorsitzende von Rwanda Finance Limited ist Tidjane Thiam, der ehemalige Chef der Schweizer Großbank Credite Suisse. Thiam wurde in der Elfenbeinküste geboren, hat aber auch die französische Staatsbürgerschaft und in Frankreich studiert. Er war Anfang 2020 als Chef der Credit Suisse zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass die Bank mehrere ehemalige Angestellte beschatten ließ. Bei Rwanda Finance Limited arbeitet Thiam nun mit dem Geschäftsführer Nick Barigye zusammen, der zuvor 15 Jahre als Manager bei ruandischen Investmentfirmen tätig war.

Investieren in Afrika: Die Konkurrenz ruht nicht

Die Regierung von Ruanda ist allerdings nicht die einzige, die als neuer Finanzplatz in Afrika punkten will. Die Regierung in Kenia zum Beispiel hat ganz ähnliche Pläne und jüngst den Start des Nairobi International Financial Centre bekannt gegeben. Für Ruanda ist das eine ernsthafte Konkurrenz. Schließlich zählt Kenia zu den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften auf dem afrikanischen Kontinent und punktet unter anderem mit zahlreichen erfolgreichen Finanz-Start-ups. Genau wie auch Ruanda hat das Land also gute Voraussetzungen, um sich als neuer Finanzplatz zu etablieren.

Diese Bemühungen beobachten auch weitere Länder. Vor allem Mauritius, der bisher wichtigste Finanzplatz in Ostafrika, könnte durch den Aufstieg von Ruanda und/oder Kenia an Bedeutung verlieren. Marc Hein, Afrika-Experte bei der internationalen Rechtsfirma DLA Piper, hält allerdings in einem Artikel der ruandischen Tageszeitung The New Times dagegen: “Das ruandische International Financial Centre kann als Konkurrent gesehen werden. Es kann aber auch eine Ergänzung sein, zu dem, was Mauritius anbietet”, sagt er. “In jedem Fall müssen die Dienstleister auf Mauritius das Beste aus der Situation machen. Es ist besser, mit dem Strom zu schwimmen als gegen ihn.”

Fazit: Ein Erfolg wäre gut für ganz Afrika

Mit anderen Worten: Die bestehenden Finanzzentren in Afrika werden sich an neue Konkurrenz gewöhnen müssen. Ich persönlich gehe ebenfalls davon aus, dass der afrikanische Kontinent von den Plänen insgesamt profitieren wird – egal, ob Ruanda oder Kenia das Rennen macht. Wichtig ist vor allem, dass Investitionen in afrikanischen Ländern einfacher werden und die wirtschaftliche Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent neuen Schwung erhält.

Gut finde ich, dass sich Ruanda klar gegen Steuervermeidung einsetzt, zumindest auf dem Papier. Auf der Internetseite der Agentur Rwanda Finance Limited heißt es dazu: Ein “Wettbewerb um aggressive Steueranreize”, der dem Ruf Ruandas schaden könne, solle vermieden werden. Ziel sei, die “volle Übereinstimmung mit internationalen Steuerstandards”. Konkret heißt das zum Beispiel, dass Investor*innen, die die Steueranreize des Kigali International Financial Centre nutzen, auch zumindest in Teilen in Ruanda ansässig seien müssen.

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Wie gut sich Kigali als Finanzzentrum etabliert, bleibt nun abzuwarten. Klar ist: Die Agentur Rwanda Finance Limited ist auf jeden Fall umtriebig. Sie hat bereits neue Partnerschaften zum Beispiel mit Katar abgeschlossen und sich um die Verabschiedung mehrerer neuer Gesetze bemüht. Ruanda gilt unter anderem wegen seiner grünen Hügel schon jetzt als “Schweiz von Afrika”. Womöglich gibt es bald noch einen Grund mehr, das Land so zu nennen.

Mehr zum Thema lesen?

  • Hier lest ihr ein Interview mit dem CEO von Rwanda Finance Limited zu Ruandas Plänen. (englischsprachig)
  • Wie das Portal Quartz Africa berichtet, soll auch Nairobi zum internationalen Finanzplatz werden. (englischsprachig)
  • Warum ausländische Direktinvestitionen für den afrikanischen Kontinent so wichtig sind, beschreibt diese Publikation des ifw Kiels.

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