Ägypten und die COP 27: Warum das Land ein wichtiger EU-Partner ist

Ägypten Cop 27

Die EU strebt eine engere Partnerschaft mit Ägypten an – auch mit Blick auf die nächste globale Klimakonferenz COP 27 in Scharm el-Scheich. Das Land könnte zum Vorreiter werden für klimafreundlich(er)es Wirtschaftswachstum.

Bisher ist die Stadt Scharm el-Scheich vor allem bekannt für ihre imposante Al-Mustafa-Moschee. In einem halben Jahr wird die Stadt aber aus einem anderen Grund weltberühmt. Im November richtet Ägypten dort die nächste UN-Klimakonferenz aus. Und schon jetzt laufen die Vorbereitungen dafür.

Die Regierung in Kairo stellt ihren Energiesektor neu auf – in Richtung Nachhaltigkeit. Und die EU präsentiert sich als wichtiger Partner. Vor allem bei der Produktion von grünem Wasserstoff wollen Brüssel und Kairo künftig enger zusammenarbeiten.

Ägypten und die COP 27: Potenzial für eine Vorreiterrolle?

Ägypten bietet Wind und Sonne und könne daher “grünes” Wirtschaftswachstum hinbekommen. Das sagte EU-Klimakommissar Frans Timmermanns bei einem Besuch in Ägypten im April. Brüssel will diese Entwicklung durch eine engere Zusammenarbeit bei “Investitionen, den Austausch von Fachwissen und Technologie“ unterstützen.

In einem Text für das Policy Briefing Europa.Table habe ich aufgeschrieben, wie die Zusammenarbeit von Ägypten und der EU im Bereich grüner Wasserstoff aktuell da steht. Europe.Table versorgt EntscheiderInnen aus Politik und Wirtschaft täglich mit Infos über die Transformation Europas. Hier könnt ihr das Briefing abonnieren.

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Industrialisierung im Land macht Fortschritte

Mehrere Aspekte machen Ägypten zu einem interessanten Partner für die EU zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. Politisch gibt es regelmäßig Kritik an dem Regime. Der ägyptische Präsident Abdel-Fattah al-Sisi gilt als Diktator, der mit großer Härte gegen Kritiker vorgeht.

Wirtschaftlich hat Ägypten in der Vergangenheit bewiesen, dass es in der Lage ist, anspruchsvolle Großprojekte umzusetzen. Die dortige Regierung hat zum Beispiel zwischen 2015 und 2018 drei Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerken vom deutschen Siemens-Konzern errichten lassen. Nun soll Siemens mit zwei Partnern ein 2000 Kilometer langes Hochgeschwindigkeits-Zugnetz in Ägypten aufbauen.

Ambitionierte Ziele bei erneuerbarer Energie

Darüber hinaus verfolgt Ägypten ambitionierte Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Benban-Solarpark in der ägyptischen Wüste zählt zu den größten der Welt. Die Regierung in Kairo will bis zum Jahr 2035 insgesamt 42 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Das Video gibt einen Eindruck von der Größe des Benban-Solarparks.

Auch die Produktion von grünem Wasserstoff steht im Land auf der Agenda. Die Regierung hat einem Firmenkonsortium um das norwegische Unternehmen Scatec ASA gestattet, ein erstes Wasserstoffwerk am Suezkanal bei Ain Sokhna zu errichten. Das deutsche Unternehmen Thyssenkrupp und die belgische DEME Group haben auch Interesse angemeldet.

Ägyptische Regierung arbeitet an Wasserstoff-Strategie

Noch zögert die ägyptische Regierung allerdings, mehr solcher Projekte auf den Weg zu bringen. Den Grund dafür hat mir Jan Noether im Gespräch für Europe.table erklärt. Das ist der Leiter der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer. Er sagt, Ägypten habe zwar großes Interesse am Export von grünem Wasserstoff in die EU. Unter anderem um Arbeitsplätze zu schaffen.

Vorab muss das Land aber zentrale Fragen klären. Zum Beispiel wie sich die eigenen Energieziele mit dem Export von Energie vereinbaren lassen. Wenn Ägypten Wind- und Solarkraftanlagen für den Export von grünem Wasserstoff aufbaut, kann damit zwar auch die eigene Energiewende vorangetrieben werden. Aber: Wird zu viel Wind- und Solarkraft für den Export verwendet, könnte das Land seine eigenen Energieziele verfehlen.

Solarenergie Afrika

“Grüner Wasserstoff”: So nennen ExpertInnen Wasserstoff, der aus erneuerbarer Energie erzeugt wurde. Warum Afrika dafür besonders viel Potenzial bietet, lest ihr hier.

Suche nach passenden Standorten läuft

Aktuell erstellt die Europäische Entwicklungsbank eine Marktstudie für das Land. Die soll zeigen, wie viel grüner Wasserstoff vor Ort erzeugt werden kann. Auf dieser Basis will die ägyptische Regierung dann eine nationale Energie- und Wasserstoffstrategie festlegen, sagt Noether.

Gute Standorte für die Produktion von grünem Wasserstoff zu finden, ist darüber hinaus gar nicht so einfach. Das sagte mir Stefan Liebing vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft im Gespräch für Europe.table. Unternehmen brauchten vor Ort viel Wind UND viel Sonne. Nur so könnten sie ihre Wasserstoff-Anlagen Tag und Nacht auslasten und Wasserstoff erzeugen, der preislich mit Wasserstoff aus Gas oder Kohle mithalten kann, sagt Liebing.

Euch gefällt der Artikel? Wenn ihr meine Arbeit als unabhängige Journalistin unterstützen wollt, freue ich mich über eine Spende für den nächsten Kaffee. Vielen Dank! Eure Katja

Ägypten und die COP 27: Vorbildfunktion für den Kontinent?

Für die EU ist Ägypten vor allem mit Blick auf die anstehende UN-Klimakonferenz COP 27 ein wichtiger Partner. Dort muss noch mehr als bei der COP 26 dafür getan werden, um ökologisch nachhaltiges Wirtschaftswachstum in aufstrebenden Ländern zu fördern.

Ägypten könnte dabei als gutes Beispiel vorangehen. Wenn es gelingt, gemeinsam mit Ägypten eine Strategie zu entwickeln, die zeigt: vom Ausbau der erneuerbaren Energien im Land profitieren sowohl die ägyptischen Bürgerinnen und Bürger als auch die EU. Dann könnte das ein Vorbildmodell werden für weitere Staaten auf dem Kontinent – auch zum Wohle von Europa.

Mehr lesen zum Thema?

Ihr wollt auch Teil der WirtschaftinAfrika-Community werden? Los geht’s!

Ihr wollt über neue Artikel informiert werden? Meldet euch hier an!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.