Energiewende in Südafrika: Eine milliardenschwere Herausforderung

Energiewende in Südafrika

Südafrika ist reich an Wind und Sonne. Trotzdem gewinnt es seine Energie vor allem aus Kohle. Das Land bekommt nun Geld aus dem Westen, um seine Energiewende voranzutreiben. Doch ob das gelingt, hängt stark von innenpolitischen Faktoren ab.

8,5 Milliarden US-Dollar: So viel Geld bekommt Südafrika dafür, dass das Land seine Energiewende vorantreibt. Das haben die USA, Großbritannien, die EU, Frankreich und Deutschland im November beim Klimagipfel in Glasgow bekannt gegeben. Mit ihrer Ankündigung haben sie weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Dass ausländische Staaten einem Land die Energiewende mitfinanzieren, ist nämlich neu.

Dahinter steckt in erster Linie Eigennutz. Südafrika produziert derzeit die meisten Treibhausgase in Afrika und liegt weltweit betrachtet auf Platz 13 der größten Treibhausgas-Produzenten. Das zeigt der Global Carbon Atlas. Durch die 8,5 Milliarden US-Dollar in Form von Darlehen und Zuschüssen soll das Land ein Beispiel dafür werden, dass aufstrebende Länder wachsen können, ohne dem Klima zu schaden.

Deutschland liegt auf Platz sieben der größten Treibhausgas-Produzenten, also deutlich vor Südafrika. (Quelle: Global Carbon Atlas)

Die “Just Energy Transition Partnership” als globales Vorbild

Südafrika gewinnt derzeit rund 70 Prozent seines Stroms aus Kohle. Das zeigen Zahlen der internationalen Energieagentur. Andere Quellen nennen noch höhere Werte. Das Land will künftig vor allem auf Wind- und Solarstrom umstellen. Wasserkraft wird in Südafrika auch genutzt, aber in geringerem Umfang. Ziel der Regierung ist es, den Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2030 um rund ein Drittel im Vergleich zu 2019 zu senken.

Allein kann Südafrika dieses Ziel nicht erreichen. Dem Land fehlt das nötige Geld dafür, genau wie anderen Schwellenländern. Die sogenannte “Just Energy Transition Partnership” (JETP) soll daher zum Vorbild werden: In Indien und Indonesien zum Beispiel werde die Kooperation intensiv beobachtet, schreibt der Klimawandel-Think-Tank e3g. “Ein Erfolg könnte dort die Grundlage für ähnliche Ansätze bilden, ein Misserfolg würde das Gegenteil signalisieren”, heißt es.

South Africa Energy Installed Capacity 2018.jpg
(Quelle Grafik: Climate Policy Lab)

Energiewende in Südafrika: Eine zentrale Rolle hat Eskom

Die Energiewende in Südafrika ist allerdings trotz internationaler Unterstützung eine Herausforderung. Ein zentrales Problem ist, dass der staatliche Energiekonzern Eskom seit Jahren hoch verschuldet ist. Durch Korruption und Misswirtschaft sind viele seiner Kraftwerke überaltert und schlecht gewartet. Die Stromversorgung in Südafrika hat sich daher in den vergangenen Jahren sogar verschlechtert. Immer häufiger kommt es in Teilen des Landes zu Stromausfällen.

Zahlen der staatlichen Forschungseinrichtung Council for Scientific and Industrial Research (CSIR) zeigen, dass in Südafrika im Jahr 2020 rund 860 Stunden lang Teile des Netzes abgeschaltet werden mussten. Umgerechnet fehlte also rund einen kompletten Monat lang in Teilen des Landes der Strom. Für die Menschen vor Ort ist das enorm nervig. Und es zeigt, dass Eskom derzeit weder finanziell noch organisatorisch in der Lage ist, ein Projekt wie die Energiewende anzugehen.

Politische Widerstände erschweren den Wandel

Darüber hinaus gibt es gegen die Energiewende in Südafrika innenpolitischen Widerstand. Das Land hat schon jetzt eine sehr hohe Arbeitslosenquote von über 30 Prozent. Mit dem Ausstieg aus der Kohleindustrie würden weitere Arbeitsplätze verloren gehen, insbesondere im Norden des Landes rund um Pretoria. Der südafrikanische Energieminister Gwede Mantashe hat den Ausstieg aus der Kohle daher kürzlich als “ökonomischen Selbstmord” bezeichnet.

Vor allem wäre es für die amtierende Führung möglicherweise auch politischer Selbstmord. Der Politikberater Siseko Maposa schreibt in der südafrikanischen Wochenzeitung Mail&Guardian, dass Mantashe und der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa stark auf die Wähler in den Kohleregionen angewiesen sind. Durch Wind- und Solarparks können in Südafrika zwar wichtige neue Arbeitsplätze entstehen. Diese gibt es dann aber in anderen Teilen des Landes und mit anderen Anforderungen.

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Wie die Energiewende in Südafrika ein Erfolg wird

Ob die Energiewende in Südafrika gelingt, hängt daher von mehreren Faktoren ab. Eine zentrale Voraussetzung ist, dass die Regierung Lösungen für den Arbeitsmarkt braucht. Dazu muss sie sich mit den Kohlegewerkschaften im Land einigen.

Sie muss zum Beispiel in den betroffenen Regionen neue Industrien ansiedeln. Sie muss jüngere Arbeitnehmer*innen umschulen. Und sie muss für ältere Arbeitnehmer sozial verträgliche Ruhestandlösungen finden.

Junge Unternehmen wie die Solar Green Academy bilden in Südafrika bereits neue Arbeitskräfte aus (Foto: Solar Green Academy).

Neue Struktur für Eskom

Darüber hinaus muss die Regierung den staatlichen Energieversorger Eskom umbauen. Das Unternehmen muss seine Schulden loswerden. Nur dann kann es in neue Windparks, Solaranlagen und bessere Verteilnetze investieren. Und die braucht es, um die Energiewende im Südafrika voranzutreiben.

Lösungen für Eskom zu finden, ist schwierig. Geplant ist derzeit eine Aufspaltung des Unternehmens in verschiedene Bereiche. Damit werde ich mich in meinem nächsten Blogartikel aber noch einmal genauer befassen.

Gebraucht werden private Investitionen

Klar ist auch, dass die Energiewende in Südafrika extrem teuer wird. 30 bis 35 Milliarden US-Dollar wird die Umstellung in den kommenden 15 Jahren kosten. Das schätzt Eskom-Chef Andrè de Ruyter. Ich finde das schwer vorstellbar, aber es heißt: Die 8,5 Milliarden Dollar, die westlichen Staaten Südafrika bereitstellen, reichen für den Übergang zu grüner Energie bei Weitem nicht.

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Die Idee bei der “Just Energy Transition Partnership” (JETP) ist daher, dass Südafrika die Milliarden aus dem Westen zunächst nutzt, um die Energiewende anzustoßen. Und dann braucht es private Investoren die auf den Trend aufspringen und Unternehmen vor Ort weitere Milliarden zur Verfügung stellen.

Reformen im Energiesektor: Ohne geht es nicht

Dafür braucht es bessere Bedingungen für Investoren. Bisher gilt der Energiemarkt in Südafrika als extrem komplex und überreguliert. Erste Schritte hat die Regierung in Pretoria bereits gemacht. Sie hat Städten und Gemeinden im Oktober 2020 erlaubt, unter bestimmten Voraussetzungen “eigene Stromerzeugungskapazitäten aufzubauen und Strom von privaten Erzeugern zu kaufen”. Das schreibt die deutsche Außenwirtschaftsförderung GTAI.

Die internationale Politikberatung Energy for Growth hält allerdings eine weitere Deregulierung für wichtig. Außerdem braucht es für die Unternehmen Rechtssicherheit: Sie müssen sich darauf verlassen können, dass neue Gesetze oder Förderprogramme im Energiemarkt auch langfristig aufrecht erhalten werden.

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Energiewende in Südafrika: Potential für eine globale Blaupause

All das zeigt: Die Energiewende in Südafrika ist alles andere als ein Selbstläufer, auch mit dem nötigen Startkapital aus dem Westen. Die Details ihres Deals wollen die JETP-Partnerländer nun im Laufe des Jahres ausarbeiten. Dabei müssen sie klar definieren, wie die geplanten 8,5 Milliarden Dollar eingesetzt werden sollen, schreiben die Experten vom Klimawandel Think-Tank e3g. Außerdem sollte das Geld vor allem als Zuschuss und nicht als Kredit bezahlt werden, um den hochverschuldeten staatlichen Energieversorger Eskom nicht noch stärker zu belasten.

Gut finde ich, dass in Südafrika inzwischen eine ganze Reihe von Forschungsinstituten und NGOs für die Energiewende eintritt: Die Regierung in Pretoria sieht sich also zunehmend kritischen Fragen im eigenen Land ausgesetzt, nicht nur von westlichen Partnerländern. Ob die “Just Energy Transition Partnership” ein Vorbild werden kann für aufstrebende Länder in anderen Teilen der Welt? Ich denke: Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden.

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