AfCFTA: 1 Jahr Freihandel in Afrika – eine Bilanz

Freihandel in Afrika

Das Freihandelsabkommen AfCFTA ist gut ein Jahr in Kraft und soll Afrika zu mehr Wohlstand verhelfen. Noch sieht man im Alltag wenig Auswirkungen. Das ist aber kein Grund zur Sorge: Freihandel erfordert Geduld – und jahrelange Verhandlungen.

Im Januar 2021 habe ich auf meinem Blog über das Freihandelsabkommen AfCFTA in Afrika berichtet. Das AfCFTA trat damals gerade in Kraft und weckte große Erwartungen. Ein potentieller “game changer” für den Kontinent sei es, schrieb die Welthandelsorganisation. Und die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit sah “eine neue Chance für Afrikas Jugend”.

Inzwischen ist das Abkommen gut ein Jahr gültig. Zeit für eine Zwischenbilanz. Ich frage mich: Hat sich durch das AfCFTA etwas verändert? Handeln afrikanische Ländern nun mehr miteinander? Und geht es den Menschen besser? Die wichtigsten Fakten dazu habe ich für Euch in einem “Listicle” zusammengefasst.

Das AfCFTA in Afrika: Basis für mehr gemeinsamen Handel

Kurz vorweg: Das AfCFTA soll den afrikanischen Kontinent zu einer großen Freihandelszone vereinen. Bis auf Eritrea, das seine Wirtschaft stark abschottet, wollen alle Länder mitmachen. Vorbild für das AfCFTA ist der Binnenmarkt der Europäischen Union. Wie in Europa sollen auch in Afrika bald Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräfte frei zirkulieren können.

Das Abkommen ist wichtig für den Kontinent, um den innerafrikanischen Handel in Schwung zu bringen. Bisher handeln afrikanische Unternehmen nämlich nur vergleichsweise wenig miteinander – zum Beispiel, weil es hohe Grenzzölle oder komplizierte Einfuhrverfahren gibt. Oder weil gute Straßen und regelmäßige Flugverbindungen fehlen. Das macht den Transport von Waren oft sehr aufwändig.

Abbildung 2: Intra-kontinentaler Warenhandel 2018 (Anteil am Gesamtwarenhandel)
Für Deutschland sind die europäischen Nachbarstaaten wichtige Handelspartner. (Quelle: BMWi/UNCTAD)

1 Jahr AfCFTA in Afrika: Was schon erreicht wurde

Das AfCFTA ist nun seit gut einem Jahr in Kraft, aber die Verhandlungen über viele Details der Verträge gehen weiter. Manche Kommentatoren kritisieren, dass das zu langsam geht. Aber es gibt durchaus Fortschritte.

  • Rund 40 von 54 Ländern in Afrika haben das Abkommen inzwischen ratifiziert. “Damit ist es das schnellste Instrument, das je in der Afrikanischen Union ratifiziert wurde”, sagt Wamkele Mene, der Generalsekretär des AfCFTA-Sekretariats in diesem Interview. Das zeige, wie sehr sich die Staatschefs für das Vorhaben einsetzen.
  • Die Verhandlungen über die sogenannten Ursprungsregeln machen Fortschritte. Diese Regeln sollen sicherstellen, dass nur Waren “made in Africa” von der neuen Zollfreiheit in Afrika profitieren. Die Verhandlungsführer prüfen dazu rund 8000 Produkte und Dienstleistungen. Für rund 88 Prozent davon gibt es inzwischen eine Lösung.
  • Mittlerweile ist auch geklärt, wie Handelsstreitigkeiten zwischen afrikanischen Unternehmen künftig beigelegt werden sollen.
  • Und Mitte Januar ist zudem das Panafrikanische Zahlungs- und Abrechnungssystem gestartet. Das soll dafür sorgen, dass der Handel in verschiedenen afrikanischen Währungen einfacher wird. In Afrika gibt es nämlich über 40 nationale Währungen und das macht transnationale Geschäfte oft aufwändig.
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1 Jahr AfCFTA in Afrika: Worüber noch verhandelt wird

Darüber hinaus gibt es beim AfCFTA aber noch viele offene Fragen. Das sind die wichtigsten nächsten Schritte:

  • Die Staaten müssen die Verhandlungen über die sogenannten Ursprungsregeln weiterführen.
  • Außerdem wollen sie aushandeln, wie sie Investitionen schützen und mit Rechten des geistigen Eigentums umgehen können (Phase 2). Diese Verhandlungen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, sagt Wamkele Mene.
  • Danach beginnt Phase 3 der Verhandlungen. Dann wird geklärt, welche Regeln in Afrika für den elektronischen Handel und den Austausch von digitalen Diensten gelten sollen.
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Dass die Verhandlungen über Freihandelsabkommen Jahre dauern, sei ganz normal, betont Wamkele Mene. (Quelle: un.org)

1 Jahr AfCFTA in Afrika: Die aktuellen Herausforderungen

Dass die Verhandlungen so lange dauern, liegt daran, dass nicht alle afrikanischen Länder die gleichen Interessen haben logischerweise.

  • Die größte Herausforderung ist, dass die Länder unterschiedlich stark von dem neuen Abkommen profitieren. Unternehmen aus wirtschaftlich starken Ländern wie Südafrika und Kenia werden versuchen, auf dem Kontinent neue Märkte zu erschließen – und es Unternehmen aus ärmeren Ländern womöglich noch schwieriger machen, selbst Fuß zu fassen. Geplant ist daher ein sogenannter Anpassungsfonds, um Länder, die durch das AfCFTA Nachteile haben, zu entschädigen.
  • Eine weitere Hürde ist, dass für exportstarke Länder wie Marokko oder Kenia der Handel mit reichen Ländern wie der USA oder Deutschland aktuell wichtiger ist als der Handel mit ihren afrikanischen Nachbarstaaten. Zum Teil verhandeln sie daher lieber allein über Wirtschaftsabkommen mit diesen Ländern als im Kollektiv mit ihren Nachbarstaaten.

Welche Länder zählen zu den Gewinnern des AfCFTA? Und welche zu den Verlierern? Das habe ich ausführlicher in diesem Artikel aufgeschrieben.


1 Jahr AfCFTA in Afrika: Die aktuellen Herausforderungen –– Fortsetzung

Dazu kommen einige praktische Probleme bei der Umsetzung des AfCFTA.

  • So ist es zwar ein großer Fortschritt, dass sich die afrikanischen Staaten auf neue Zoll- und Transitregeln einigen. Wichtig ist aber, dass diese auch durchgesetzt werden – und dafür haben eventuell nicht alle Länder die Kapazitäten.
  • Dazu kommt, dass die Coronapandemie viele Lieferketten in Afrika unterbrochen hat. Das berichtet die Deutsche Welle. Manche Unternehmen sind daher aktuell eher damit beschäftigt, bestehende Lieferketten aufrechtzuerhalten als neue aufzubauen.
  • Das gilt insbesondere, da sich viele Unternehmer*innen nicht ausreichend über das AfCFTA informiert fühlen. Wie der PAFTRAC CEO Trade Survey Report zeigt, blicken zwar die meisten positiv auf das Abkommen (siehe Grafik). Knapp zwei Drittel der Befragten geben aber an, dass sie nicht wissen, wo sie Informationen über das AfCFTA finden.
  • Und neue Zollbestimmungen hin oder her: In vielen Teilen Afrikas fehlen aktuell noch transnationale Straßen und Bahnverbindungen. Das macht den Handel weiter schwierig.
Quelle: PAFTRAC CEO Trade Survey Report

1 Jahr AfCFTA in Afrika: Für Pessimismus ist es zu früh

Schnelle Resultate sollte man vom AfCFTA in Afrika also nicht erwarten. Das zeigt die lange Liste der aktuellen Herausforderungen. Trotzdem ist das Abkommen meiner Ansicht nach keinesfalls gescheitert. Schließlich haben die afrikanischen Staaten ihre Pläne sogar trotz der Coronapandemie weiter vorangetrieben. Und für Freihandel braucht es eben einfach Geduld.

Spannend wird es im Februar. Dann veröffentlicht das Sekretariat der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone die ersten neuen Zollregeln (Ursprungsregeln) des AfCFTAs. Unternehmen in ganz Afrika bekommen dadurch eine gemeinsame Basis für den Export. Und die Vorteile des Abkommens werden womöglich zumindest ein bisschen greifbarer.

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