Kosmetik aus Südafrika: Wie lokale Firmen den Markt aufmischen

Kosmetik aus Afrika

Für die globale Kosmetikindustrie ist Südafrika der wichtigste Markt auf dem afrikanischen Kontinent. Bisher dominieren internationale Konzerne das Geschäft. Doch immer mehr kleine lokale Unternehmen bieten Kosmetik aus Südafrika an – und erobern sich vielversprechende Nischen.

Sein Haus zu verlassen, ohne eine Maske griffbereit zu haben? Das könnte bald wieder normaler werden. Wegen der sinkenden Inzidenz ist in Bremen die Maskenpflicht im Freien inzwischen aufgehoben und auch in NRW können Eltern wieder maskenfrei mit ihren Kindern auf den Spielplatz. Freuen dürften sich darüber nicht nur Maskengegner, sondern auch Kosmetikhersteller. Wer nämlich schon einmal versucht hat, geschminkt Maske zu tragen, der weiß: Spätestens nach ein paar Mal auf- und absetzen ist davon nicht mehr all zu viel übrig.

Mich selbst hat das nicht besonders gestört. Ich benutze Lippenstift und Co. eher sporadisch, wenn es einen guten Anlass gibt. Weltweit ist die Kosmetikindustrie aber natürlich ein Milliardenmarkt.

Kosmetik in Südafrika: Experten erwarten starkes Wachstum

Das gilt zunehmend auch für den afrikanischen Kontinent. Der Markt für Schönheits- und Körperpflegeprodukte in Afrika könnte zwischen den Jahren 2021 und 2025 um gut 1,2 Milliarden US-Dollar wachsen, schreibt das Marktforschungsunternehmen Technavio in einer aktuellen Analyse. Neben Kenia, Ägypten und Nigeria steht dabei ein Markt besonders im Fokus: Südafrika. Allein im Jahr 2018 habe die Branche dort fast 3,2 Milliarden US-Dollar umgesetzt, schätzt die Unternehmensberatung Deloitte. Das Land sei damit „Afrikas größter Markt für Kosmetik- und Körperpflegeprodukte“ und forsche auch selbst an neuen Produkten für die afrikanische Haar- und Hautpflege.

Bis vor einigen Jahren wurde der südafrikanische Markt dabei allein von internationalen Konzernen beherrscht, zum Beispiel von Unilever, Johnson & Johnson und Procter & Gamble. Auch der französische Konzern L‘Oréal betreibt eine Produktionsanlage in der Nähe von Johannesburg. Spannend finde ich aber, dass neben diesen bekannten Herstellern zunehmend auch kleine, südafrikanische Kosmetikmarken vor Ort entstehen. Dahinter stehen oft Gründerinnen, die mit dem Angebot der großen Marken nicht zufrieden sind – und sich außerdem dafür einsetzen, dass in der wachsenden Kosmetikindustrie auf dem Kontinent möglichst viele Arbeitsplätze vor Ort entstehen.

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Wie südafrikanische Kosmetikhersteller sogar der Coronakrise trotzen, berichtet die BBC.

Kosmetik aus Südafrika: Auf den Spuren von Kylie Jenner

Ziemlich bekannt ist in Südafrika zum Beispiel die einheimische Marke Swiitchbeauty. Die Gründerin Rabia Ghoor startete ihr Unternehmen im Alter von 14 Jahren und wird inzwischen von manchen Medien als südafrikanische Kylie Jenner bezeichnet. Ghoor verfolgte als Teenagerin die Kanäle von internationalen Beauty-Youtuberinnen und ärgerte sich darüber, dass diese so viel mehr Auswahl an Kosmetikprodukten hatten als sie. Viele amerikanische, europäische und asiatische Marken seien damals, im Jahr 2014, in Südafrika nicht verfügbar gewesen, schreibt sie. Also beschloss die junge Frau, deren Familie ursprünglich aus Indien kommt, ihre eigene lokale und erschwingliche Kosmetikmarke aufzubauen.

Rabia Ghoor richtet sich in einer Ecke ihres Schlafzimmers ein Büro ein und begann, sich mit Kosmetikherstellung, Design und Marketing zu beschäftigen. Dann startete sie den Verkauf mit einer Instagram-Seite und zwei Produkten. Das Unternehmen wuchs so schnell, dass sie im Mai 2016 die zehnte Klasse abbrach, um swiitchbeauty in Vollzeit zu führen. Und dieses Wagnis hat sich offenbar gelohnt. Vor wenigen Monaten wurde Ghoor mit dem „Forbes Woman Africa Young Achievers Award“ ausgezeichnet. Und aus dem einstigen Kinderzimmerbüro ist ein erfolgreiches Kleinunternehmen mit Sitz in Pretoria geworden. Auf dem Bild seht ihr Rabia Ghoor (dritte von links) mit einigen ihrer Mitarbeiterinnen:

Kosmetik aus Südafrika: Naturkosmetik als großer Trend

Sehr gefragt bei südafrikanischen KundInnen sind darüber hinaus derzeit Produkte aus dem Bereich Naturkosmetik. Fast ein Viertel der SüdafrikanerInnen kaufe am liebsten natürliche, organische oder umweltfreundliche Pflegeprodukte, heißt es in einem aktuellen Branchenreport von Deloitte. Eine bekannte Marke, die von diesen Trend profitiert, ist Suki Suki. Die Gründerin Linda Gieskes-Mwamba ist gebürtige Kongolesin, wuchs aber in Brüssel und Johannesburg auf und lebt nun dauerhaft in Südafrika. Linda Gieskes-Mwamba wollte sich während ihres Jurastudiums im Jahr 2010 ihr Haar zu einem Afro wachsen lassen. Sie stellte aber fest, dass alle Pflegeprodukte dafür „entweder voller Chemikalien oder lächerlich teuer“ waren.

Die junge Frau begann daraufhin, ihr Haar mit Buttern und Ölen selbst zu behandeln und entwickelt so eines der ersten Produkte von Suki Suki. Wie die Gründerin auf ihrer Firmen-Webseite schreibt, führte sie ihr Unternehmen zunächst in Teilzeit, neben ihrem Job als Anwältin. Seit dem Jahr 2017 ist sie aber nun Vollzeitgründerin – und das sehr erfolgreich. Das Wort „Suki“ im Markennamen bedeutet „Haar“ in Gieskes-Mwambas Heimatland, der Demokratischen Republik Kongo. Das Firmenversprechen? Ihr Ziel sei es, „natürliche Produkte zu kreieren, die Haut und Haare mit schadstofffreien, natürlichen Inhaltsstoffen beruhigen und heilen“, schreibt die Unternehmerin.

Kosmetik aus Afrika
Gründerin Linda Gieskes-Mwamba arbeitet bei ihren Produkten mit Wirkstoffen aus Feigenkaktus, Mango und Papaya. Foto: Suki Suki Naturals

Kosmetik als Politikum: Produkte speziell für AfrikanerInnen

Darüber hinaus versuchen sich Kosmetik-Start-ups aus Südafrika noch auf eine andere Art und Weise von den großen Kosmetikkonzernen abzugrenzen. Sie entwickeln Produkte speziell für afrikanische Haut und Haare. Denn egal ob bei Lippenstift oder Shampoo: Oft brauchen man diese eine andere Pflege. Das Unternehmen Dermopal zum Beispiel stellt Sonnencreme her, die auf dunkler Haut keine weißen Spuren hinterlässt. „Die meisten Sonnenschutzmittel sind für Weiße und andere helle Menschen gemacht und enden auf dunkleren Hauttönen einfach weiß und aschig“, schreibt zum Beispiel die Bloggerin Nomali Cele aus Soweto. Bei der Creme von Dermopal sei das dagegen nicht der Fall, findet auch diese Twitter-Nutzerin:

Insgesamt hat die Coronakrise der Kosmetikindustrie in Südafrika ein hartes Jahr beschert. Die Branche sei im Jahr 2020 erstmals nach jahrelangem Wachstum geschrumpft, schreibt das Marktforschungsunternehmen Euromonitor. Und da viele SüdafrikanerInnen in der Krise Einkommen verloren haben, wird es wohl auch eine Weile dauern, bis sich die Branche vollständig erholen kann. Gerade kleine lokale Marken seien aber noch vergleichsweise gut durch das vergangene Jahr gekommen, schreiben die Experten. Der Grund: „Der harte Lockdown und die daraus resultierenden Arbeitsplatzverluste haben viele südafrikanische Verbraucher dazu gebracht, lokale Marken zu bevorzugen, um kleine Unternehmen zu unterstützen.“


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  • Das Online-Magazin Rosa Mag stellt Kosmetikmarken speziell für schwarze Haut vor, die auch in Deutschland erhältlich sind.
  • Haut- und Haarpflege ist für schwarze Menschen oft ein Politikum. Das zeigt unter anderem dieser Bericht von ntv.
  • Langsame Einsicht: Der Konzern L’Oréal will künftig nicht mehr für Hautaufheller werben, berichtet DIE ZEIT.

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